Roxy Music

Roxy Music, britische Rockband, 1971 von B. Ferry (Gesang, Keyboards), B. Eno, Andy, eigentlich Andrew Mackay (* 1946; Saxofon), Phil Manzanera eigentlich Philip Targett Adams (* 1951; Gitarre), Graham Simpson (Bassgitarre) und Paul Thompson (* 1951; Schlagzeug) in London gegründet; die Besetzung der Band wechselte auf einigen Posten (Bass, Schlagzeug, Keyboards) häufig.

Bandbiografie

Bereits als Schüler hatte Bryan Ferry die Band The Banshees gegründet. Nach seinem Wechsel an die Newcastle-Upon-Tyne-University sang er in der Rhythm´n´Blues-Band The Gas Board und traf mit den Bassisten John Porter und Graham Simpson zusammen. Nach dem Studium arbeitete Ferry als Kunstlehrer (Keramik) und versuchte 1970 gemeinsam mit Simpson eine Band zu gründen. Auf eine Anzeige hin, mit der Ferry einen Keyboard-Spieler suchte, meldete sich der Saxophonist und Oboist Andy Mackay. Mackay, stark an elektronischer Musik interessiert, besaß einen kleinen Synthesizer, den er dem zu seinem Freundeskreis gehörenden Kunststudenten Brian Peter George St. John le Baptiste de la Salle Eno, überließ. Als Gitarrist stieß David O´List zu Roxy Music; O`List hatte bis dahin zu dem Progressive-Rock-Quartett The Nice gehört. O`List rieb sich allerdings bald an dem mittlerweile ebenfalls zu Roxy Music gehörenden Schlagzeuger Paul Thompson und verließ die Band nach wenigen Monaten. Seinen Platz übernahm Phil Manzanera, der zuvor als Roadie gearbeitet hatte. Die 1971 vollständige Band erhielt 1972 durch Vermittlung Robert Fripps, des Gitarristen von King Crimson, einen Plattenvertrag bei Island Records und veröffentlichte die LP »Roxy Music«.
Die Platte war in dem seinerzeit vom Progressive Rock geprägten Umfeld eine Sensation: Die ungewöhnliche, hektische Musik, Ferrys eigenwilliger, singulärer Gesang, die schrille Aufmachung der Band – die Musiker zeigten sich auf der Innenseite des Covers in glitzernden Kostümen, Federboas und Teddy-Boy-Frisuren – und schließlich das Cover selbst zogen die Aufmerksamkeit der Rockhörer auf sich. Die wurde zunächst in Großbritannien bekannt, doch auch auf dem Festland war die auffällige Musikerschar schnell zur Lieblingsband derjenigen Rockhörer geworden, die mit Gruppen wie Genesis, Yes und Emerson, Lake and Palmer wenig anfangen konnten. Ungewöhnlicb auch, dass Roxy Music Singles veröffentlichte: »Viriginia plain« war nicht Bestandteil der zuvor veröffentlichten LP und eroberte Hitparaden wie Rundfunkprogramme.
1973 erschien gleich zwei LPs der Band, »For your pleasure« und »Stranded«. Nach den Aufnahmezu »For your pleasure« hatte Brian Eno die Gruppe verlassen und wurde durch den Keyboard-Spieler und Violinisten Edwin Jobson (* 1955) ersetzt. Eno, der mit seinen elektronischen Spielereien der Band einen Hauch von Avantgarde gegeben hatte, schlug eine Solokarriere ein und machte sich seitdem vor allem als Produzent einen von einem unzerstörbaren Nimbus umgebenen Namen. Ferry betonte den Rock-Anteil in der Musik Roxy Musics. »Country life«, 1974 erschienen, provozierte mit seinem Cover – es zeigte zwei spärlich bekleidete junge Damen im Gebüsch -, wartete aber in »Bitter sweet« auch mit einem kurzen deutschen Text auf, den eben diese Fotomodelle – deutsche Urlauberinnen – Ferry übersetzt hatten. Mit »Bitter sweet«, »The thrill of it all« und »Out of the blue« typische Klassiker der Band, in denen Parodie und Ironie in bittere Melancholie mündeten.
Ferry hatte zu dieser Zeit schon eine Solokarriere begonnen und 1973 »These foolish things« veröffentlicht. Er schien allmählich das Interesse an Roxy Music zu verlieren. 1975 erschien »Siren«, der Abgesang der Band. Die Musiker widmeten sich fortan mit unterschiedlichem Erfolg ihren Solo-Aktivitäten, Ferry gelang eine respektable Solokarriere, während Manzanera und Mackay interessante LPs vorlegten, die kommerziell allerdings bei weitem nicht so erfolgreich waren wie die Platten von Roxy Music.
Ende der 1970er fanden sich Ferry, Manazanera, Mackay und Thompson erneut zusammen. Zusammen mit dem Keyboard-Spieler Dave Skinner und dem Bassisten Gary Tipps nahmen die Musiker »Manifesto« auf. Die Jahre der Trennung zeigten ihre Spuren: Die Band zollte auf ihrer Weise Disco wie New Wave ihren Tribut, doch schlichen sich hier und da auch Elemente des Jazz ein. Es entwickelte sich mit »Manifesto« ein spezieller Roxy-Music-Sound, der von flirrendem Gitarrenklang und hallend verhauchenden Synthesizer-Tönen geprägt war. Dieser Roxy-Music-Sound wurde auf den folgenden LPs, »Flesh and blood« (1980) und »Avalon« (1982) perfektioniert und war überaus erfolgreich: »Avalon« war die erste LP der Band, die in den USA mit einer Goldenen Schallplatte ausgezeichnet wurde.
Für die Band, seit »Flesh and blood« ohnehin nur noch ein Trio aus Ferry, Manzanera und Mackay, garniert mit zahllosen Studiomusikern größter Reputation, bedeutete »Avalon« erneut das Ende. Seitdem kommt das Trio – manchmal mit Thompson – immer mal wieder zu einzelnen Konzerten und kurzen Tourneen zusammen, doch reichte das Einverständnis nicht zur Einspielung neuer Songs. Dafür ergoss sich ein Strom von Konzert-Aufnahmen (u. a. »Heart still beating«, 1990; »Concerto«, 2001) und DVDs über das Publikum, die die Live-Qualitäten der Band dokumentierten.
Als Roxy Music ihre erste LP veröffentlichte, schien die Rockmusik als Ganzes festgefahren: Bands wie Pink Floyd, Yes, Genesis und Emerson, Lake and Palmer bestimmten ihr Bild – das einer Art Surrogat für Hörer gleichkam, die der traditionellen Kunstmusik misstrauten, gleichwohl mit dem lärmenden Rock´n´Roll nichts zu tun haben wollten, sondern auf elegische Kompositionen und instrumentales Können setzten.
Die LP »Roxy Music« nahm vorweg, was gegen Ende des Jahrzehnts als New Wave die Rockmusik gründlich veränderte. Dabei war die Ironie unübersehbar: Die Musiker zitierten gleichermaßen Klischees des Rock ´n´Roll wie Ikonen der Kunstmusik, provozierten auf eine gespielt naive Weise mit Kleidung wie Gestaltung der Plattencover und schufen dennoch einige der wichtigsten Songs der Rockmusik. »Re-make/Re-model« etwa präsentierte eine nervöse Spannung, die die Band immer wieder aufs Neue produzieren konnte und die ersten fünf Alben prägte, während andere Songs eine melancholische Atmosphäre verströmten, die die Musiker selbst in größten Hallen erzeugen konnten. Dabei sind viele Songs raffiniert gebaut, und Ferry nahm sich aus Rock, Klassik und selbst Jazz, was immer ihm brauchbar schien. So blieben viele Songs auch im Schatten der Hits wie »Re-make/Re-model« oder »Do the strand«: »The Bogus man« (auf »For your pleasure«) etwa mit seinem hypnotischen Bass-Riff, den quakenden Synthesizer-Klängen und harmonisch ungewöhnlichen Saxophon-Einwürfen. Für »For your pleasure« jagte Ferry Piano- und Gitarrenklänge durch Echogerät und Leslie-Kabinett, für »Bitter sweet« unterlegte er den deutschen Textanteil mit einem ironischen Marsch und beschwor die Durchhaltesongs einer Zarah Leander herauf, »Editions of you« klang wie der erste Punk-Song überhaupt und Mackay illustrierte mit langgezogenen Oboen- und Saxophontönen die Einsamkeit des Menschen wie kaum ein Musiker vor ihm (»«; »A song for Europe«). Die Wildheit der ersten fünf LPs fehlte auf den drei Platten der zweiten, 1979 beginnenden Phase, doch stehen diese Platten für ein Klangraffinement, das keine Nachahmer fand und zu einem Kennzeichen der Band verbunden ist.
Im Kern ist Roxy Music eine Rhythm´n´Blues-Band gewesen. Der Einsatz eines Saxophons – wenn Mackay auch häufig zur Oboe griff – in einem Rock-Kontext war Anfang der 1970er-Jahre singulär. Mehr noch als Mackay sorgte aber Brian Eno mit seinen Beigaben zu Ferrys Songs für Erstaunen. Tatsächlich war der von ihm eingesetzte Synthesizer ein kleines, fiependes Gerät, das nicht im Mindesten die Möglichkeiten der Moog- und ARP-Synthesizer, die andere Bands auf die Bühnen schleppten, bot. Eno machte aus der Not eine Tugend und vervielfältigte die monophonen Klänge des Gerätes mithilfe von Bandgeräten. Dass sich das Gequieke und Gegurgel seiner elektronischen Hilfsmittel innerhalb eines Songgefüges kaum steuern ließen, verlieh den Kompositionen etwas Avantgardistisches und machte ihren Produzenten, Eno, im Laufe weniger Jahre zu einer Kultfigur. Als er Roxy Music verließ, holte Ferry mit Eddie Jobson einen fähigen Instrumentalisten, allerdings um den Preis einer gewissen Unberechenbarkeit in der Sound-Gestaltung, für die Eno Garant war. Vakant blieb der Posten des Bassisten: Nach Graham Simpson und John Porter hatte man in John Gustafson zwar einen ausgezeichnet zur Band passenden Musiker gefunden, doch reguläres Mitglied wurde er nie. Trotz der häufigen Wechsel am Bass bildete die Rhythmusgruppe in allen Inkarnationen Roxy Musics eine kompakte Einheit. Als für die Produktion von »Manifesto« der frühere Bassist der Punk-Gruppe The Vibrators, Gary Tibbs, angeheuert wurde, erhielt der neue Mann sogar solistische Freiheiten: Lebte schon das Titelstück »Manifesto« von seinem präzisen Spiel, machte er »Stronger through the years« zu einer Etüde für Jazzbass.
Als 1972 die erste LP der Band erschien, hätte schon das Cover genügt, um Aufsehen zu erregen. Es zeigte das Foto-Model Kari Ann Muller in der Pose eines Pin-up-Girls der 1950er-Jahre – dies, während andere Bands die artifiziellen, surrealistischen Grafiken und Fotomontagen von Hipgnosis oder die Zeichnungen utopischer Landschaften von Roger Dean bevorzugten.
Die Rätselhaftigkeit der Pose Mullers – zu dem pastellfarbigen Umfeld machte sie ein eher angstvolles Gesicht – gehörte fortan zu den Stilmitteln, die Ferry, der die Cover federführend gestaltete, für die folgenden Hüllen, die immer nur als Klappcover ihre volle Wirkung entfalteten, stets abwandelte. Auf der zweiten LP »For your pleasure« posierte die Disco Queen Amanda Lear in nächtlicher Szenerie, einen Panther an der Leine; Ferry wartete als Chauffeur. »Stranded« zeigte eine ertrunkene Schöne, die sich lasziv zu räkeln schien, »Siren« seine damalige Freundin, das Model Jerry Hall, als eine Art Nixe, die sich an Land quält. Das Cover von »Country Life« steigerte die offen erotischen Provokationen noch: Vor einem Gebüsch stehen zwei spärlich bekleidete junge Frauen, offensichtlich von Scheinwerfern angestrahlt, wie auf frischer Tat ertappt. Folgerichtig wurde das Cover in verschiedenen Ländern gar nicht verwendet, den beiden deutschen Frauen, die Ferry in Portugal kennengelernt hatte, Constanze Karoli und Eveline Grünwald, bescherte es ewigen Ruhm. Musik, Covergestaltung – bei der stets Frauen im Mittelpunkt standen – und das Äußere der Musiker waren Teile eines Gesamtkonzepts, das maßgeblich von Ferry bestimmt wurde und seinen parodistischen Zug kaum verhüllte.



Diskografie

Roxy Music (1972)
For your pleasure (1973)
Stranded (1973)
Country life (1974)
Siren (1975)
Viva! (1976)
Manifesto (1979)
Flesh & blood (1980)
Avalon (1982)
The high road (1983)
Heart still beating (1990)
Concert classics (1998)
Concerto (2001)
Roxy Music live (2003)



Literatur

Stump, Paul: Unkown Pleasure – A cultural Biography of Roxy Music; London 1998



Weblink

http://www.roxyrama.com (Website zu der britischen Rockband Roxy Music)