Rush

Stichworte King Crimson | Yes | Genesis | Dream Theater

Rush, kanadische Rockband, 1969 in Toronto (Ontario) gegründet

Bandbiografie

Der Gitarrist Alex Lifeson, eigentlich Aleksandar Žijovinovi? (* 1953) hatte als Schüler mit dem Sänger und Bassisten Jeff Jones und dem Schlagzeuger John Howard Rutsey (* 1953, † 2008) ein Rocktrio gegründet. Gemeinsam wollten die drei Schüler ihre Lieblingssongs etwa von The Who und The Yardbirds nachspielen. Zwar verließ Jones bereits nach dem ersten öffentlichen Auftritt die Band, doch fand Lifeson in seinem Schulfreund Geddy Lee, eigentlich Gary Lee Weinrib (* 1953) schnell Ersatz. Zwar konnte die Band sich bis 1971 konsolidieren und war bald eine feste lokale Größe, doch konnten die drei Musiker erst 1973 überhaupt eine Single, »Not fade away«, eine Cover Version eines Songs von Buddy Holy, veröffentlichen. Da keine der etablierten Platten-Labels das Trio unter Vertrag nehmen mochte, gründeten die drei Musiker kurzerhand ein eigenes Label, das sie Moon Records nannten. Auf Moon veröffentlichten sie dann auch 1974 ihr erstes Album. Die von Hardrock britischer Machart geprägte LP wäre nicht weiter beachtet worden, wenn nicht der auf ihr enthaltene Song »Working Man« von der in Cleveland (Ohio) beheimateten UKW-Radiostation WMMS – Where Music Means Something – ins ständig laufende Programm genommen worden wäre. Das dadurch geweckte Interesse des US-Publikums an der Hardrock-Band aus Toronto führte dann zu einem Vertrag mit Mercury Records. Zu dieser Zeit wurde bei Rutsey eine chronische Krankheit entdeckt, und der Schlagzeuger, ohnehin dem dauernden Touren abgeneigt, verließ die Band. Lifeson und Lee mühten sich in einigen Auditions, einen neuen Schlagzeuger zu finden und entschieden sich schließlich für Neil Ellwood Peart (* 1952). Der neue Mann war vielseitig begabt, übernahm er doch nicht nur die Drums, sondern erbot sich auch, fortan die Texte für die Songs der Band zu schreiben. Nachdem das Trio seien erste US-Tournee absolviert hatte, ging Rush ins Studio und veröffentlichte 1975 mit »Fly by Night« das zweite Album. Neben den Hardrock des Debüts war nun Progressive Rock getreten, die Texte von Peart, die immer wieder auch Science Fiction und Fantasy in den Focus rückten, fanden ihre Entsprechung in der Musik der Band. Noch im selben Jahr veröffentlichte Rush ein weiteres Album, doch war »Carress of Steel« ein Wagnis – deutete es doch erneut eine Änderung der musikalischen Richtung an – und blieb hinter den hoch gespannten Erwartungen zurück. Aufhalten konnte der kleine Rückschlag den Siegeszug der Band jedoch nicht. Bereits »2112«, 1976 vorgelegt, brachte Lifeson, Lee und Peart erstmals eine Platin-Auszeichnung ein.

Der Wechsel des Trios nach Großbritannien und die dort aufgenommenen LPs, »A Farewell to Kings« (1977) und »Hemispheres« (1978) begründeten den Ruf Rushs als Progressive-Rock-Band eigener Prägung. Lee und Lifeson erweiterten ihr Instrumentarium, elektronische Klangerzeuger traten neben die Gitarre, wenn auch kaum als Solo-Instrumente. Der Wandel in der Rockmusik in der zweiten Hälfte der 12970er-Jahre blieb allerdings nicht ohne Einfluss auf die Musik des Trios, Elemente von Reggae und New Wave erhielten ihren Platz, die Kompositionen wurden wieder kürzer und Peart wandte sich in seinen Texten zunehmend authentischen Themen zu, doch überstand Rush diese Jahre, die das Ende manch einer Progressive-Rock-Band bedeuteten, insgesamt ohne größere Krise. Eine enge Zusammenarbeit mit der Band kanadischen Rockband Max Webster führte 1981 sogar zu einer immens erfolgreichen Single – »Tom Sawyer«. Der Song war dann auch auf der im selben Jahr veröffentlichten Rush-LP »Moving Pictures« enthalten; der kommerzielle Erfolg der LP spiegelte sich in vier Platin-Auszeichnungen wider.

Bei den Aufnahmen von »Moving Pictures« hatten die Musiker größten Gefallen an den Möglichkeiten neuer Synthesizer gefunden. Lee und Peart schleppten für die Aufnahmen der folgenden LPs Synthesizer, Sequencer und Linn Drum ins Studio, dem langjährigen Produzenten Terry Brown wurde der Laufpass gegeben und die Band produzierte »Grace under Pressure« nach der Absage des Favoriten Steve Lillywhite mit Hilfe des Produzenten Peter Hendersons selbst. Selbst Lifeson begann am Klang seiner Gitarr zu basteln, bis Ende der 1980er-Jahre alles ausprobiert war, mehrere Zeugnisse davon in Form einiger CDs abgelegt waren und schließlich auch die Plattenfirma gewechselt worden war: Rush ging zu Atlantic Records. In die Produktion von »Presto« (1989) und »Roll the Bones« (1991) war Rupert Hine involviert, die Band kehrte zu ihren angestammten Instrumenten zurück und die Musiker spielten ihr überragendes instrumentales Können aus. Dabei blieb das Trio bis 1997, veröffentlichte in diesem Jahr »Test for Echo«, zog sich dann aber vom Musikmarkt für Jahre zurück; persönliche Schicksalsschläge, denen Neil Peart ausgesetzt war, waren ein Grund.

So erschien erst 2002 mit »Vapor Trails« ein neues Album von Rush: Gitarre, Bass, Schlagzeug. Einerseits besannen sich Lifeson, Lee und Peart auf ihre Ursprünge – legten 2004 mit »Feedback« sogar eine kleine Sammlung von Cover-Versions der einst geliebten Songs vor -, andererseits sammelten sie ihr Lebenswerk in diversen Live-Zusammenstellungen und Konzert-DVDs. Daneben aber auch Neues: »Snakes & Arrows«, in New aufgenommen und von Nick Raskulinecz produziert, wurde 2007 veröffentlicht.

Rush ist eine der erfolgreichsten Rockbands überhaupt, mit ihren zwei Dutzend Gold-und mehr als einem Dutzend Platin-Auszeichnungen nur mit den Beatles und den Rolling Stones zu vergleichen. Dennoch ist das Trio in Europa eine Band zweiten Ranges, die mit Progressive Rock zwar in Zusammenhang gebracht wird, aber trotz der Länge ihrer Karriere und ihren Wurzeln in der Musik der 1960er-Jahre nicht mit den Größen des Genres wie King Crimson, Yes oder Genesis verglichen wird. Tatsächlich ist die Musik Rushs auch nur in Teilen dem Genre zuzurechnen. Allemal ist Hardrock das Rückgrat der Musik, Riffs stehen im Zentrum und in dieser Hinsicht sind die Musiker von unerschöpflichem Einfallsreichtum. Das instrumentale Können der Musiker erlaubt ihnen, an dieses Gerüst nahezu beliebig Elemente anderer Musik zu heften: Jazz, Reggae, Funk, Elektronik – es klingt immer plausibel. Erkennbar wird diese Musik allerdings eher durch Geddy Lees Stimmklang, vielleicht noch an Lifesons spezifischer Art Gitarre zu spielen und ganz sicher an Neil Pearts Schlagzeugspiel. Auf diese Weise, über die instrumentale Virtuosität, nahm Rush Einfluss auf Bands wie Metallica, Dream Theater und Symphony X – neben zahllosen anderen.

Auszeichnungen

Juno Award 1974
Juno Award 1978
Juno Award 1979
Juno Award 1990
Juno Award 1991
Juno Award 1992
Juno Award 2004

Diskografie

Rush (1974)
Fly by Night (1975)
Caress of Steel (1975)
2112 (1976)
All The World’s a Stage (1976)
A Farewell to Kings (1977)
Hemispheres (1978)
Permanent Waves (1980)
Moving Pictures (1981)
Exit…Stage Left (1981)
Signals (1982)
Grace Under Pressure (1984)
Power Windows (1985)
Hold Your Fire (1987)
A Show of Hands (1988)
Presto (1989)
Roll the Bones (1991)
Counterparts (1993)
Test for Echo (1996)
Different Stages (1998)
Vapor Trails (2002)
Rush in Rio (2003)
Feedback (2004)
R30 – 30th Anniversary World Tour (2005)
Snakes & Arrows (2007)
Snakes & Arrows Live (2008)
Working Men (2009)

Literatur

Bowman, Durrell S.: Let them all make their own Music: Individualism, Rush and the Progressive/Hard Rock Alloy, in: Holm-Hudson, Kevin: Progressive Rock Reconsidered, New York/London 2002

Weblink

http://www.rush.com/ (Offizielle Website der kanadischen Rockband Rush)
http://www.rush.ws-reiche.de/ (Website zu der kanadischen Rockband Rush)