Soft Machine

Soft Machine, britische Rockband, 1966 in Canterbury aus der Rockband Wilde Flowers hervorgegangen; die Band ist nach dem gleichnamigen Buch von William S. Burroughs benannt.

Bandbiografie

Die Band bestand zunächst aus dem Schlagzeuger Robert Wyatt, dem Gitarristen Daevid Allen, dem Bassisten Kevin Ayers und dem Organisten Mike Ratledge; für kurze Zeit gehörte auch der amerikanische Gitarrist Larry Nowlin zu Soft Machine. Die Band, einer Musik zwischen Psychedelic Rock und riff-betontem Jazz verpflichtet, erwarb sich innerhalb kurzer Zeit einen Namen in den seinerzeit aktuellen Clubs Londons wie dem Speak Easy, dem Middle Earth und vor allem dem UFO. Die Popularität der Band führte zu ausgedehnten Tourneen durch die Niederlande, Deutschland und Frankreich, wo Soft Machine anlässlich eines mit »Nuit Psychédélic« betitelten Konzertes eine 40 Minuten dauernde Fassung ihres Songs »We did it again« spielte. Der Nimbus, der die Band schon zu dieser Zeit umgab macht die Band zwar in Frankreich bekannt, doch als die Musiker nach Großbritannien zurückkehrten, wurde dem Australier Allen die Einreise verweigert; Allen blieb in Frankreich und Soft Machine setzten ihre Karriere zunächst als Trio fort.

Bis dahin hatte Soft Machine lediglich eine Single aufgenommen, die allerdings zunächst nicht veröffentlicht wurde; die Bekanntheit in Europa bedeutete in Großbritannien gar nichts. Immerhin konnte die Band 1968 im Rahmen einer Tournee der Jimi Hendrix’ Experience durch die USA im Vorprogramm des Gitarren-Meisters auftreten. Während dieser Tour nahm Soft Machine in New York ihr erstes Album auf. Zurückgekehrt nach London wurde der vakante Platz des Gitarristen von Andy Summers eingenommen; Summers wurde allerdings schon nach wenigen Monaten, noch während einer zweite Serie von Konzerten in den USA aus der Band gebeten – Ayers kam mit ihm nicht klar. Der Bassist selbst hatte nach der Tournee ebenfalls von Soft Machine genug und ging. Den Bass übernahm der Roadie der Band, Hugh Hopper; er hatte schon früher gelegentlich Ayers vertreten. In dieser Besetzung spielte die Band die zweite LP, »Volume Two«, ein. Mit der Musik auf dieser LP zeichnete sich ab, welche Richtung die Musik des Quartetts nehmen würde: Es sollte ein spezifisch europäischer Jazzrock werden.

1969 steuerte die Band einige Aufnahmen zu Syd Barretts LP »The Madcap Laughs« bei. Soft Machine selbst vergrößerte sich im selben Jahr vorübergehend zu einem Septett. Von den hinzugezogenen Bläsern blieb allerdings nur der Saxofonist Elton Dean auf Dauer. Ratledge, Wyatt, Hopper und Dean nahmen die dritte (»Third«; 1970) und vierte LP (»Fourth«; 1971) auf und bewegten sich immer mehr zu einem vollständig instrumentalen Jazz, dem Wyatt nichts mehr abgewinnen wollte. Er gründete noch im selben Jahr seine Band Matching Mole.

Mit dem Weggang Wyatts war die klassische Phase Soft Machines beendet. Zunächst nahm den verwaisten Drummer-Sitz der australische Schlagzeuger Phil Howard ein; ihm folgte noch während der Produktion der fünften LP (»Fifth«; 1972) der Schlagzeuger John Marshall. Auch Dean ging und wurde durch den Saxofonisten Karl Jenkins ersetzt. Die Musik dieser Band erinnerte kaum noch an die Musik ihrer Anfänge, sondern präsentierte sich als ein durchkalkulierter Jazzrock. 1973 verließ Hopper die Band; für ihn kam Roy Babbington, der als Kontrabassist schon an den Aufnahmen der vierten und fünften LP teilgenommen hatte. Während der Wechsel von Columbia Records zu Harvest Records 1973 keine wesentlichen Veränderungen im Klang der Band nach sich zog, bedeutet das Engagement des Gitarristen Allan Holdsworth eine Umwälzung: Holdsworth beanspruchte großen Raum für sich und verschob somit den Gruppenklang in Richtung anderer von der elektrischen Gitarre bestimmter Gruppen.

Spätestens zu dieser Zeit wurde Soft Machine vom breiten Publikum nicht mehr beachtet. Die Musik der Band erstarrte in einem virtuos vorgetragenen Jazzrock. Ratledge verließ die Band 1976, noch während der Aufnahmen zum letzten Studioalbum der Band. Danach erschien eine Vielzahl von Live-Aufnahmen früherer Zeiten, Nach der Jahrtausendwende taten sich ehemalige Musiker der Band mal zu der Band Soft Works, mal zu Soft Machine Legacy zusammen und veröffentlichten auch neue Aufnahmen.

Wenigstens die ersten vier LPs Soft Machines sichern den Status der Band in der Rockmusik. Mit diesen LPs – wie auch mit einigen anderen der Canterbury-Scene – war nachgewiesen, dass es einen Jazzrock abseits des amerikanischen Jazzrocks geben konnte. Doch verfestigte sich die Musik nach wenigen Jahren und wich einer virtuosen Routine, immer wieder hörenswert, aber ohne jeden Anspruch, der gängigen Ansicht, was Fusion Music sein sollte, etwas entgegenzusetzen.

Diskografie

The Soft Machine (1968)
Volume Two (1969)
Third (1970)
Fourth (1971)
Fifth (1972)
Six (1973)
Seven (1973)
Bundles (1975)
Softs (1976)
At the Beginning (1976; Aufnahmen von 1967)
Alive & Well: Recorded in Paris (1978)
Land of Cockayne (1981)
The Peel Sessions (1991; Aufnahmen von 1969-1971)
BBC Radio 1 Live in Concert 1971 (1993; Aufnahmen von 1971)
BBC Radio 1 Live in Concert 1972 (1994; Aufnahmen von 1972)
Rubber Riff (2001; Aufnahmen von 1976)
Floating World Live (2006; Aufnahmen von 1975)
Drop (2008; Aufnahmen von 1971)

Literatur

Halbscheffel, Bernward: Früher Jazzrock in Großbritannien – Die Canterbury-Strömung; in: Jazzforschung/Jazz Research 22 (1990); S. 139 ff.

Weblink

http://rac.neptunepinkfloyd.co.uk/tourdate/SMdates.htm (Website zu der britischen Band Soft Machine)