Split Enz

Split Enz, neuseeländische Rockband, 1972 als Split Ends in Auckland gegründet. Die Band bestand bis 1984, fand in späteren Jahren aber mehrmals zu Reunions wieder zusammen.

Tim Finn, eigentlich Brian Timothy Finn (* 1952), und Jonathan Michael Chunn (* 1952) hatten bereits als Schüler begonnen, Songs zu schreiben und gelegentlich gemeinsam aufzutreten. Anfang der 1970er-Jahren nahmen sie ein Studium an der Auckland University auf, wo sie sich mit Phil Judd, eigentlich Philip Judd (* 1953), Geoffrey Noel Crombie und Rob Gillies anfreundeten und gemeinsam eine lose Band bildeten. Finn hatte in Judd den idealen Partner zum Verfassen von Songs. Als deren Zahl schnell wuchs, entschlossen die beiden Musiker sich, gemeinsam mit Chunn, dem Violinisten Miles Golding und dem Saxophonisten Mike Howard eine reguläre Band zu gründen, wenn auch keine gewöhnliche Rockband: Man wollte ausschließlich akustische Instrumente verwenden.
1973 veröffentlichte Split Ends die erste Single. Dies bedeutete indes nicht die Konsolidierung der Band: Golding und wenig später auch Howard verließen die Band, so dass das Ende von Split Ends schon besiegelt schien. Chunn gelang es, Judd und Finn zu überzeugen, als obligat mit elektrischen Instrumenten und Schlagzeug ausgerüstete Rockband weiterzumachen. In der neuen Formation gaben die Musiker einige Konzerte, nahmen an einem Talentwettbewerb eines neuseeländischen Fernsehsender teil und nahmen einige Songs auf. Der TV-Wettbewerb führte zu weiteren Auftritten im Fernsehen und zu einer Reihe von Konzerten, die Judd allerdings veranlassten, nicht mehr gemeinsam mit der Band aufzutreten, sondern nur noch zuhause am Schreibtisch Songs zu schreiben.
1974 kam der Keyboard-Spieler Eddie Rayner, eigentlich Anthony Edward Rayner (* 19529 in die Band. Rayner, der das Klavierspiel autodidaktisch erlernt hatte, erwies sich als eine Bereicherung für die Band und nahm erheblichen Einfluss auf deren Gesamtklang. Aber auch insgesamt veränderte sich Split Enz, wie die Musiker ihre Band 1974 umbenannten: Finn hatte seinen alten Freund Crombie in die Band genommen, der zwar auch das eine oder andere Instrument zur Hand nahm und sang, vornehmlich aber für die optische Aufbereitung von Musikern und Auftritten sorgen sollte. So steckte er die Musiker in der Commedia dell Arte nachempfundenen knallbunte Anzüge. Ließ sie sich schminken und seltsame Frisuren geben, bracht ihnen allerlei groteske Posen bei und stattete die jeweiligen Auftrittsorte ebenso opulent wie ästhetisch widersprüchlich aus.
Die Anstrengungen hatten Erfolg, das australische Label Mushroom Records nahm Split Enz unter Vertrag und 1975 kam das Debütalbum »Mental Notes« auf den Markt. Das sorgfältig gemalte Bild auf dem Cover der LP stammte von Phil Judd.
Neuseeland war zu klein für die Band und in Australien wurden Musik wie Auftreten der Musiker mit gemischten Gefühlen betrachtet. So entschlossen sich die mittlerweile sieben Bandmitglieder – an den Aufnahmen zu »Mental Notes« hatten Judd, Rayner, Chunn, Finn, Crombie, der Saxophonist Robert Gillies der Schlagzeuger Emlyn Crowther teilgenommen – ihr Hauptquartier in London aufzuschlagen. Unterstützt wurden sie in dem Vorhaben von Phil Manzanera, Gitarrist von Roxy Musik. Manzanera hatte die Band anlässlich eine Tournee von Roxy Music durch Australien kennen gelernt und verhalf ihr zu diversen Kontakten in London. So wurde hier die zweite LP aufgenommen, erhielt aber in Großbritannien – dann von Chrysalis betreut -, den Titel der ersten LP, also »Mental Notes«, in Australien und Neuseeland dagegen den Titel »Second Thoughts«.
In Großbritannien fand Split Enz größeren Zuspruch als in der Heimat und auch auf dem europäischen Festland hatte die bizarre Truppe bald ihrer Fan-Gemeinde. Der Erfolg verhinderte allerdings nicht einige Querelen: Crowther musst die Band verlassen und wurde durch den englischen Schlagzeuger Malcolm Green ersetzt und nach einer Amerika-Tournee verließen auch Chunn und Judd die Band – für Chunn kam der Bassist Nigel Griggs, für Judd Tim Finns jüngere Bruder Neil Finn.
Die Umbesetzungen hatten Folgen: Die Musik wurde einfacher, wie die 1977 veröffentlichte LP »Dizrythmia« bewies. Größerer Erfolg allerdings blieb dennoch hartnäckig aus und nach einigen kleineren Tourneen 1977 und 1978 hatte Split Enz keinen Plattenvertrag mehr. Über diese Phase half ein von den neuseeländischen Kulturbehörden bewilligter Zuschuss von 5000 Dollar hinweg: Die Musiker gingen in London ins Studio und nahmen innerhalb weniger Tage mehr als zwei Dutzend Demo-Songs auf.
Das Heft hatten mittlerweile die Brüder Tim und Neil Finn in der Hand. In ihrer Musik passten sie sich immer mehr der noch jungen britischen New Wave an, Kostüme und Schminke blieben im Koffer, die Anarchie der früheren Auftritte verschwand. Erstes Ergebnis dieses Wandels war das Album »True Colours« (1980), dem ein Jahr später »Waita« folgte. Dem kommerziell recht erfolgreichen Album, auf dem sich die Gebrüder Finn, Rayner, Crombie, Griggs und Green geradezu als brave Jungs zeigten, folgte 1982 »Time & Tide« und schließlich 1984 das letzte Album der Band, »SeeYa ‚Round«. Dem letzten Album vorangegangen waren sich häufende Auseinandersetzungen zwischen den Gebrüdern Finn, Green verließ vor den Aufnahmen zu »Time & Tide« die Band, Tim Finn veröffentlichte mit »Escapade« sein erstes Solo-Album wandte sich wenig später einer eigenen Karriere zu. Aus der Besetzung dieser Band – Neil Finn, Rayner, Hester – entstand später die bald sehr erfolgreiche Band Crowded House, während Judd, Crombie und Griggs die Formation Schnell Fenster gründeten, die es indes auf nur ein Album brachte.
Die Historie von Split Enz lässt sich recht klar in zwei Abschnitte teilen: Den, in dem Tim Finn das Sagen hatte und den, in dem Neil Finn die Führung der Band übernahm. Der erste Abschnitt ist ohne Zweifel der hinsichtlich der Musik der interessantere, wie schon die erste LP »Mental Notes« unter Beweis stellte: Formal ausgeklügelte und farbig instrumentierte Songs zeigen mit milder Ironie gleichermaßen auf de Musik der Music Halls, den Swing der 1930er-Jahre, die Popmusik der 1960er-Jahre wie auf den noch gerade höchst lebendigen Progressive Rock. Es fehlen zwar die ausgedehnten Klanggespinste anderer Bands des Progressive Rock, aber die Musiker um Tim Finn und Phil Judd brachten die Bruchstücke von Pop und Rock auch in weit kürzeren Formen unter. In dieser ironischen, manchmal parodistischen und fast dadaistischen Haltung der Rockmusik gegenüber ließ Split Enz sich tatsächlich mit den Beatles, 10cc und in manchen Songs auch mit Roxy Music vergleichen. Je mehr Neil Finn sich in die Band einfügte, um so mehr ging diese leichte Ironie, das Spielerische in der Musik der Band verloren. Nicht zuletzt wohl auch unter dem Eindruck mancher Bands der New Wave wie vielleicht The B-52’s, Devo und selbst Fischer Z wurden die Songs deutlicher, aber auch konventioneller.
Die Musiker legten in den ersten Jahren des Bestehens der Band größten Wert auf ihre äußere Wirkung. Davon zeugen nicht nur die Kostüme, die geschminkten Gesichter und die wenigstens auffälligen Frisuren, sondern auch die Choreografien auf der Bühne, die allemal dem Puppenspiel abgeschaut waren. Seit 1975, noch vor dem Auftreten von MTV, nutzte Split Enz die Möglichkeiten der Musikvideos, die es dann auch in großer Zahl gibt und von denen einige die Atmosphäre der Auftritte Split Enz wiedergeben.


Diskografie

Mental Notes (1975)
Second Thoughts (1976)
Dizrythmia (1977)
Frenzy (1979)
The Beginning of The Enz (1979; Zusammenstellung früherer Aufnahmen. Es gibt zwei LPs gleichen Titels mit unterschiedlichem Repertoire)
True Colours (1980)
Waiata (1981; in Neuseeland und Australien unter dem Titel Corroboree veröffentlicht)
Time and Tide (1982)
onflicting Emotions (1983)
See Ya‘ Round (1984)


Literatur

Chunn, Mike: Stranger Than Fiction: The Life and Times of Split Enz; Wellington 1992


Weblinks

http://www.frenz.com (Website mit diversen Informationen zu der neuseeländischen Rockband Split Enz)
http://www.kylenano.demon.co.uk/index.html (Website mit diversen Informationen zu der neuseeländischen Rockband Split Enz)