Steve Hackett

Stichworte Genesis | Peter Gabriel | Steve Howe



Hackett, Steve, britischer Rockmusiker (Gesang, Gitarre, Keyboards, Komposition), * Pimlico (London, England) 12.2. 1950

Biografie

Steve Hackett hatte in seinem vor allem an traditioneller Kunstmusik Musik interessierten Elternhaus die Möglichkeit, diverse Musikinstrumente kennen zu lernen, begann aber erst als Teenager mit der Gitarre zu experimentieren. Nachdem er die Platten von Bluesmusikern wie Danny Kirwan und Peter Green von Fleetwood Mac einerseits, von John Mayall & the Bluesbreakers andererseits kennen gelernt hatte, schloss er sich ab Mitte der 1960er-Jahre Bands wie Canterbury Glass, Sarabande und Quiet World an, allesamt Vertreter des zu dieser Zeit noch neuen und neuartigen Progressive Rock. Mit Quiet World spielte Hackett 1970 die LP »The Road« ein. Dennoch verließ er Quiet World und versuchte, mittels einer Anzeige in der Musikzeitschrift Melody Maker eine neue Band zu finden. Der Sänger der Progressive-Rock-Band Genesis, Peter Gabriel – auf der Such nach einem Ersatz für Anthony Phillips, der kurz zuvor Genesis verlassen hatte – las die Anzeige, und Hackett wurde nach einem Vorspiel Mitglied der Band.
Schon nach wenigen Jahren kam es vermehrt zu Spannungen in der Band: Hackett fühlte sich als Komponist zurückgesetzt, hatte kaum Anteil an der Doppel-LP »The Lamb Lies Down on Broadway« (1974), konnte wegen einer Handverletzung an einer der Veröffentlichung des Albums folgenden Tour nicht teilnehmen und entschloss sich daraufhin, eine Solo-LP einzuspielen. 1975 legte er mit »Voyage of the Acolyte« sein erstes eigenes Album vor. Bei den Aufnahmen war er zwar von Phil Collins und Mike Rutherford unterstützt worden, doch änderte das keineswegs etwas am eingetrübten Verhältnis zu Genesis. Als seine Beiträge auch bei den Aufnahmen der Genesis-LP »Wind & Wuthering« (1976) seiner Meinung nach zu wenig Berücksichtigung fanden, verließ er 1976 nach der obligaten Tournee zum Album die Band. Seitdem ist der Gitarrist zwar einige Male gemeinsam mit Genesis aufgetreten, doch kam es nicht mehr zu einer längeren Zusammenarbeit.
Der Entschluss, fortan solo zu arbeiten, ergab 1978 die LP »Please Don’t Touch«. Hackett, der bei Genesis lediglich Background-Gesang beigesteuert hatte, sah sich nun in der Doppelrolle von Sänger und Gitarrist. In seiner Musik selbst aber verfolgte er weiterhin den bei Genesis begonnenen Weg. Er hielt auch noch die Fahne des Progressive Rocks hoch, als Genesis – auch unter dem Eindruck des Abschieds von Peter Gabriel einerseits und Punk und New Wave andererseits – längst andere musikalische Prämissen setzte und sich dem radiogerechten Mainstream zuwandte. 1979 präsentierter er »Spectral Mornings«, 1980 »Defector«, Alben, die in Europa noch recht erfolgreich waren. In den USA allerdings sank sein Stern langsam. Erst mit den Kompositionen von »Cured« (1981) näherte sich der stark an traditioneller Kunstmusik interessierte Gitarrist vorsichtig der Pop Music an, mit unerwartetem Ausgang: In Großbritannien stieg das Album bis auf Platz 15 der Album-Charts, während es in den USA die einschlägige Hitparade noch nicht einmal mehr erreichte. Seiner Liebe zu klassischer Gitarrenmusik verlieh Hackett in diesen Jahren ebenfalls Ausdruck, veröffentlichte 1983 »Bay of Kings« und 1988 »Monumentum«; beide CDs enthielten keine Original-*kompositionen alter Meister, sondern Hackett-Kompositionen, Paraphrasen und Bearbeitungen.
1986 rief Hackett gemeinsam mit Steve Howe von Yes die Band GTR ins Leben, spielte mit der Band ein einziges, sehr erfolgreiches Album ein, verließ die Band danach aber wieder; GTR löste sich kurz nach Hacketts Ausscheiden auf. Seitdem veröffentlicht der Gitarrist einerseits von Zeit zu Zeit dem Progressvie Rock verhaftete Alben, andererseits Musik, die seine Auseinandersetzung mit traditioneller Kunstmusik dokumentiert. Ein Höhepunkt in dieser Hinsicht ist sicher sein 1997 präsentiertes Album »A Midsummer Night’s Dream«, das er mit dem Royal Philharmonic Orchestra aufnahm.
Bei seinen Aufnahmen wurde Hackett stets von hervorragenden Musikern unterstützt; so finden sich auf seinen Alben die Namen von Phil Collins, Mike Rutherford, Sally Oldfield, Percy Jones, John Gustafson, Randy Crawford, Richie Havens, Steve Walsh, Chester Thompson, Ian Mosley, Bonnie Tyler, Brian May, ↑Pete Trewavas und Chris Thompson; an vielen Aufnahmen war auch sein jüngerer Bruder, der Flötist John Hackett, beteiligt.
Steve Hackett hat offensichtlich von Beginn seiner Karriere an klare Vorstellungen von der Musik gehabt, die er mit seinem Namen verbunden wissen wollte: Eine virtuose Rockmusik, die in der traditionellen Kunstmusik ein Vorbild sucht, aber nicht das einzige. Zu Beginn der 1970er-Jahre konnte er diese Vorstellung mit Genesis durchsetzen. Dabei entstanden die Alben von Genesis, die der Band zu einem Platz unter den »Big Four« verhalfen. Als Gitarrist gehört er mit Steve Howe von Yes und Martin Barre von Jethro Tull zu den wenigen Meistern des Instruments, die mit dem Progressive Rock der ersten Phase verbunden werden – und nebenbei verhinderten, dass aus dem Progressive Rock eine Art »Synthesizer-Musik« wurde. Auf Dauer konnte Hackett seine Ideen allerdings nur unter eigenem Namen verwirklichen. So gehören seine Ende der der 1970er-Jahre vorgelegten LPs zu den wenigen Zeugnissen des Progressive Rocks dieser Zeit.



Diskografie

Voyage of the Acolyte (1975)
Please Don’t Touch (1978)
Spectral Mornings (1979)
Defector (1980)
Cured (1981)
Highly Strung (1982)
Bay of Kings (1983)
Till We Have Faces (1984)
Momentum (1988)
Time Lapse (1991)
Guitar Noir (1993)
Blues With A Feeling (1994)
There Are Many Sides to the Night (1995)
The Tokyo Tapes (1996)
Watcher of the Skies: Genesis Revisited (1997)
A Midsummer Night’s Dream (1997)
Darktown (1999)
Sketches of Satie (2000; mit John Hackett)
Feedback 86 (2000)
Live Archive 70, 80, 90’s (2001)
Live Archive 70s Newcastle (2001)
Somewhere in South America… (2002)
Hungarian Horizons (2002)
To Watch the Storms (2003)
Live Archive NEARfest (2003)
Live Archive 03 (2004)
Live Archive 04 (2004)
Metamorpheus (2005)
Live Archive 05 (2005)
Live Archive 83 (2006)
Wild Orchids (2006)
Tribute (2008)
Out of the Tunnel’s Mouth (2009)



Weblink

http://www.hackettsongs.com/ (Offizielle Website des britischen Rockmusikers Steve Hackett)