Styx

Stichworte Concept Album | Hammond-Orgel | Yes | Genesis | Progressive Rock | Dream Theater | Spock’s Beard



Styx, amerikanische Rockband, 1972 in Chicago (Illinois) aus diversen Vorläuferbands hervorgegangen; Styx ist nach der griechischen Mythologie einer der Flüsse in der Unterwelt.

Bandbiografie

Die Zwillingsbrüder Chuck, eigentlich Charles Salvatore, (* 1948) und John Anthony Panozzo (* 1948, † 1996) hatten schon als Kinder Gitarre beziehungsweise Schlagzeug gelernt und gründeten 1961 mit dem Nachbarsjungen Dennis DeYoung (1947) die Band The Tradewinds Young spielte zunächst Akkordeon, wechselte aber Mitte der 1960er-Jahre an Orgel und Klavier. Als der Gitarrist Tom Nardini in die Band kam, übernahm Chuck Panozzo den Bass. 1965 erfuhren die Musiker, dass es bereits eine Band namens The Trade Winds gab und änderten deshalb den Namen ihrer Formation in TW4. 1969 verließ Nardini die Band und wurde durch den Gitarristen John Curulewski (* 1950) ersetzt; als fünfter Mann wurde 1970 der Gitarrist James Young (* 1949) Mitglied von TW4. Als die Musiker 1972 einen Vertrag bei dem Schallplatten-Label Wooden Nickel Records unterschreiben konnte, änderten sie den Namen endgültig in Styx. Im Verein mit Wooden Nickel veröffentlichte die Band 1972 die LP »Styx«, der 1973 »Styx II« und 1974 »The Serpent is rising« und »Man of Miracles«. Die meisten Kompositionen schrieb der Keyboard-Spieler DeYoung, und so präsentierte die Band einen routinierten Hardrock, in den immer wieder Element des noch jungen Progressive Rock einflossen, bis hin zu einer Bearbeitung einer Komposition J.S. Bachs. Doch nicht mit dieser, auf »Styx II« enthaltenen Komposition wurde die Band über die Region Chicago hinaus bekannt, sondern mit »Lady«, ebenfalls von der zweiten LP. Die Single erreichte 1975, beinahe zwei Jahre nach Veröffentlichung, den sechsten Platz der Hitparade der USA. Der Erfolg der Single zog die LP mit sich, so dass die Plattenfirma A&M Records auf Styx aufmerksam wurde und der Band einen Vertrag anbot. A&M brachte 1977 das Album »Equinox« auf den Markt, das mit »Suite Madame Blue« ebenso einen kleineren Hit enthielt wie die 1976 veröffentlichte Schallplatte »Crystal Ball« mit »Mademoiselle«. In der Zwischenzeit hatte Curulewski seinen Platz für den Gitarristen Tommy Roland Shaw (* 1953) geräumt.
Den tatsächlich großen Erfolg erlangte Styx mit der 1979 präsentierten LP »The Grand Illusion«, die der Band eine dreifache Platin-Auszeichnung für die Zahl der verkauften Exemplare einbrachte. »The Grand Illusion« bildete den Auftakt zu einer Reihe von äußerst erfolgreichen Alben, zumal nun auch das europäische Publikum von der Band Notiz nahm. 1978 wurde »Pieces of Eight«, 1979 »Cornerstone« veröffentlicht. Der Erfolg der Gruppe gipfelte in der Verleihung eines Grammy, den die Musiker 1980 entgegennehmen konnten. Trotz des Ruhmes, der sich über Styx ergoss, kriselte es in der Band: Als 1981 »Paradise Theatre« auf den Markt kam, geriet DeYoung mit Shaw und Young über die musikalische Richtung aneinander – mehr Drama oder mehr Hardrock? Über diese Frage verließ DeYoung sogar die Band für einige Zeit. Schwerer wog, dass Styx bezichtigt wurde, den Song »Snowblind« mittels Backmasking mit einer Botschaft Satans versehen zu haben; tatsächlich ging es in dem Song um eine Absage an den Gebrauch von Kokain.
Nach seiner Rückkehr konnte DeYoung sich wenigstens mit seinem Plan, als nächstes ein Album mit einer Rockoper zu produzieren, durchsetzen. Das Album, »Kilroy was here«, wurde 1983 vorgelegt. Thematisch stellte die LP einen Nachklang auf den Vorwurf dar, Musik mit verdeckten Botschaften des Teufels zu versehen. Es handelte sich um eine Science-Fiction-Geschichte, die in einer religiös bestimmten Gesellschaft spielt, in der Rockmusik verboten ist und Rockmusiker eingesperrt werden.
»Kilroy was here« brachte Styx eine Platin-Auszeichnung, zwei Top-Ten-Hits und Nominierung für den Grammy ein. Für die Präsentation des Albums im Konzert betrieb die Band jeden denkbaren Aufwand und die Musiker übernahmen Rollen aus der Rockoper. Zwar hatte sich nun DeYoung mit seinem Ansinnen, die Musik der Band dramatischer zu gestalten durchgesetzt, doch war das nicht die Musik, an der Shaw mitarbeiten wollte, Grund genug für den Gitarristen, Styx zu verlassen. Damit war die Band am Ende und löste sich auf.
Zwar versuchten DeYoung, Shaw und auch Young, mit Soloalben erfolgreich zu sein, doch gelang dies nicht recht. 1990 kamen die Musiker wieder zusammen, für Shaw wurde 1990 der Gitarrist Glen Burtnik (* 1955) engagiert. Zwar reichte es für das Album »Edge of the Century« (1990) und eine USA-Tournee, doch war der Glanz der Band matt geworden. 1995 versuchte es die Band, nunmehr mit Shaw, noch einmal. Noch vor der geplanten Tour starb John Panozzo, doch nahm seinen Platz der Schlagzeuger Todd Sucherman (* 1969) ein. 1997 kam »Return to Paradise«, ein zwei CDs umfassendes Live-Album auf den Markt. Es enthielt zwar einige wenige Studioaufnahmen, doch wurde ein komplettes Album mit »Brave New World« erst 1999 vorgelegt. Die Konflikte in der Band brachen wieder auf, DeYoung ging und widmete sich endgültig seiner Solokarriere. Der kränkelnde Chuck Panozzo wurde zeitweise durch Burtnik ersetzt, dann sprang der Bassist Ricky Phillips ein. Seit Mitte des ersten Jahrzehnts nach der Jahrtausendwende gehört Styx zum Nostalgie-Zirkus amerikanischer Rockbands. Styx hatte bis dahin annähernd 18 Millionen Schallplatten verkauft.
Styx gehört wie Kansas zu den amerikanischen Rockbands, die aus Hardrock und einigen Elementen des europäischen Progressive Rock – dazu gehören etwa der obligate Einsatz von Hammond-Orgel und Synthesizern – einen spezifisch amerikanischen Progressive Rock konstruierten, der in den USA das Publikum in Massen anzog, gleichwohl in Europa nie recht reüssieren konnte, auf jeden Fall nicht etwa mit der Musik von Yes oder Genesis in Verbindung gebracht wurde. Dabei waren die Musiker handwerklich über jeden Zweifel erhaben, legten wie die Europäer auch Konzeptalben vor. »Kilroy was here« stellt sogar den in der Rockmusik seltenen Fall dar, dass Rockmusiker im Rahmen einer Rockoper über Rockmusiker und ihre Stellung in der Gesellschaft reflektieren. Daneben allerdings gab es auch die für amerikanische Rundfunkstationen und Stadien gemachten Balladen, die bei aller Perfektion in Europa längst nicht ein so großes Publikum erreichten. Auf den jüngeren amerikanischen Progressive Rock der Prägung von Dream Theater oder Spock’s Beard übte die Musik von Styx indes einen nachhaltigen Einfluss aus.



Auszeichnungen

Grammy 1980



Diskografie

Styx (1972)
Styx II (1973)
The Serpent is rising (1974)
Man of Miracles (1974)
Equinox (1975)
Crystal Ball (1976)
The Grandillusion (1977)
Pieces of Eight (1978)
Corerstone (1979)
Paradiese Theatre (1981)
Kilroy was here (1983)
Caught in the Act (1984)
Edge of the Century (1990)
Return to Paradise (1997)
Brave New World (1999)
Arch Allies: Live at Riverport (2000)
Styx World: Live 2001 (2001)
At the River’s Edge: Live in St. Louis (2002)
Cyclorama (2003)
21st Century Live (2003)
Big Bang Theory (2005)
One with Everything: Styx and the ContemporaryYouth Orchestra (2006)



Weblink

http://www.styxworld.com/ (Offizielle Website der amerikanischen Rockband Styx)