The Enid

Enid, The, britische Progressive-Rock-Band, 1975 von dem Keyboard-Spieler Robert John Godfrey (* 1947), dem Gitarristen und Bassisten Steve Stewart und dem Gitarristen und Lautenisten John Francis Lickerish gegründet.

The Enid ist, trotzdem die Band drei Gründungsmitglieder hatte, das Vehikel für Robert John Godfreys musikalische Vorstellungen. Godfrey hatte zwar erst im Alter von 12 Jahren begonnen, Klavier spielen zu lernen, zeigte aber soviel Talent und Begeisterung für das Instrument, dass er eine instrumentale Ausbildung am Royal College of Music aufnehmen konnte; anschließend absolvierte er ein Studium an der Royal Academy of Music. 1968 nahm der nach dem Studium ein Engagement als musikalischer Direktor der Band Barclay James Harvest an und entwickelte gemeinsam mit den Musikern der Gruppe den für Barclay James Harvest typischen aufwändigen, orchestralen Klang. 1971 überwarf er sich mit der Band, spielte für kurze Zeit Keyboards für die Progressive-Rock-Band Siddartha, veröffentlichte dann aber 1974 unter dem Titel »Fall of Hyperion« ein Solo-Album. Aus den Erfahrungen bei der Aufnahme und Produktion der LP zog Godfrey den Schluss, dass er für die adäquate Realisierung seiner Ideen eine Band benötigte. So gründete er mit Stewart und Lickerish The Enid.
1976 legte Godfrey mit The Enid das Debütalbum »In the Region of the Summer Stars« vor. Die Produktion dieser LP war unter größten Schwierigkeiten vonstatten gegangen: Gesang sollt eine vorrangige Rolle spielen, doch nahm sich der Sänger der Band, Peter Roberts, am Neujahrstag 1975 das Leben. So arrangierte Godfrey die Musik neu, nunmehr mit Akzent auf instrumentaler Musik. Auch nach Veröffentlichung stand das Schicksal des Albums unter keinem guten Stern: Die EMI, bei der »In the Region of the Summer Stars« veröffentlicht worden war, strich die LP bald aus dem Katalog, und wenig später verschwanden Teile der Aufnahmebänder. In den Hochtagen des Punk waren in Großbritannien die Rockhörer aber auch wenig an Progressive Rock interessiert, zumal es sich bei den Alben von The Enid bis 1983 um Instrumentalmusik handelte; erst »Something Wicked This Way Comes« wartete mit obligatem Gesang auf, vorgetragen von Godfrey selbst in einer an Operngesang erinnernden Weise, die auch an Parodie denken lassen konnte.
Godfrey ließ sich von den Umständen der Veröffentlichung der ersten LP zwar nicht entmutigen, doch ist seitdem die Besetzung der Band stets fragil, mitunter blieben einzelne Musiker nur wenige Monate. Godfrey, Lickerish und Stewart gelang es indes, bis 1979 jedes Jahr ein Album vorzulegen, erst 1979, nach Veröffentlichung von »Six Pieces«, riss die Kette ab. Lickerish hatte The Enid verlassen. Es dauerte bis 1983, dass Godfrey ein neues Album seiner Band präsentieren konnte. Während der 1980er-Jahre erschienen regelmäßig weitere Alben, meist auf dem inzwischen gegründeten eigenen Label Enid Records. Ende der 1980er-Jahre bis Mitte der 1990er-Jahre kam es wieder zu einer jahrelangen Pause, zu einer noch größeren dann zwischen 1999 und 2009. Mit dem nach der Jahrtausendwende langsam wieder wachsenden Interesse des Publikums am Progressive Rock war auch die Musik von The Enid wieder stärker gefragt und Godfrey nutzte die Gunst der Stunde, legte einerseits neue Alben vor – darunter eine Live-Aufnahme der Band im Zusammenwirken mit einem Orchester –, wie auch neu aufgenommene ältere Kompositionen.
Obwohl The Enid Mitte der 1970er-Jahre gegründet wurde, zählt die Gruppe nicht zu den kalssichen Progressive-Rock-Bands, sondern wird zum so genannten »Neo-progressive Rock« gerechnet. Der Stilmittel der Musik Godfreys allerdings sind die des früheren Progressive Rocks, neben zahlreichen kürzeren und längeren Songs finden sich auch einige ausgedehnte Kompositionszyklen. Auf den ersten Blick scheinen die Vorbilder Godfreys dabei eher in der Musik von Yes, Genesis und natürlich Barclay James Harvest und The Moody Blues zu finden zu sein, doch greift er immer wieder auf Zitate aus der traditionellen Kunstmusik zurück oder paraphrasiert bekannte Kompositionen. Allemal bevorzugt er einen orchestralen Gesamtklang seiner Band und legt Wert auf den schönen, gelegentlich auch etwas überladenen Klang. Er selbst sitzt mehr oder weniger unbeweglich an seinen Keyboards, ein von seiner Musik Besessener, dem sämtliche Insignien eines Rockstars fehlen.


Diskografie

In the Region of the Summer Stars (1976)
Aerie Faerie Nonsense (1977)
Touch Me (1978)
Six Pieces (1979)
Something Wicked This Way Comes (1983)
Live at Hammersmith Vol. 1 (1984; aufgenommen 1979)
Live at Hammersmith Vol. 2 (1984; aufgenommen 1979)
Aerie Faerie Nonsense (1983; erneute Aufnahme der LP von 1977))
In the Region of the Summer Stars 1984 (1984; Wiederveröffentlichung)
The Spell (1985)
Salome (1986)
Lovers And Fools (1986; Zusammenstellung)
The Seed and the Sower (1988)
Final Noise (1988)
Tripping the Light Fantastic (1994)
Sundialer (1995)
Members one of Another (1996; Zusammenstellung für Fan-Clubs)
Healing Hearts (1996)
White Goddess (1997)
Tears of the Sun (1999)
Arise and Shine (2009)
Journey’s End (2010)
Arise and Shine Vol. 2 – Risen (2011)
Arise and Shine Vol. 3 – Shining (2012)
Live with The CBSO at Symphony Hall (2012)
Invicta (2012)

Daneben gibt es eine Vielzahl von Zusammenstellungen, LPs und CDs für Fan-Clubs der Band.



Solo-Alben Robert John Godfrey

Fall of Hyperion (1974)
Art of Melody – Romantic Piano Music Book 1(2012)



Weblink

http://www.theenid.co.uk/ (Offizielle Website der britischen Progressive-Rock-Band The Enid)