The Left Banke

Stichworte Buddah Records | Baroque Rock | A & R-Manager



Left Banke, The, amerikanische Rockband, 1965 in New York gegründet

Bandbiografie

Gründer der Band und gleichzeitig ihr kreativer Kopf war der Keyboardspieler Michael Brown, eigentlich Michael Lookofsky (* 1949). Browns Vater Harry Lookofsky war als Geiger professioneller Studiomusiker und besaß ein eigenes Studio. Musikalisch vorbelastet, hatte Michael Brown seit seinem neunten Lebensjahr Klavierstunden erhalten. Als Jugendlicher begann er, eigene Songs zu schreiben und verfasste bereits 1965, im Alter von 16 Jahren, den später höchst erfolgreichen Song »Walk away Rene«. Im selben Jahr stellte er unter den sorgsamen Blicken seines Vaters seine Band The Left Banke zusammen; Vater Lookofsky übernahm das Management und produzierte die Musik der Band. Zu The Left Banke gehörten neben Brown der Sänger Steve Martin, eigentlich Carmelo Esteban Martin Caro (* 1948), der Gitarrist George Cameron, der Bassist Tom Finn und der Schlagzeuger Warren David, der allerdings nach wenigen Proben bereits wieder gehen musste. Seinen Platz übernahm nun Cameron, während dessen Stelle der Gitarrist Jeff Winfield einnahm.
Vater Lookofsky hatte inzwischen mit Smash Records einen Vertrag geschlossen. Das Unterlabel von Mercury Records veröffentlichte die Single »Walk away Renée«, die es 1966 ein Hit wurde, und schob auch gleich Browns Song »Pretty Ballerina« nach, der es 1967 ebenfalls in die Top Twenty schaffte. Inzwischen hatte Winfield die Band schon wieder verlassen und war durch den Gitarristen Rick Brand ersetzt worden. Die Spannungen in der Band rissen allerdings nicht ab, Brown, der sich als Chef der Band sah, veröffentlichte unter dem Namen Left Banke die Single »Ivy Ivy«, die er mit Studiomusikern eingespielt hatte. Daraufhin wehrten sich die anderen Mitglieder der Band mit dem Resultat, dass auch Smash Records sich von Browns Verhalten distanzierte und der Single jegliche Unterstützung versagte.
Brown lenkte ein, die Band reformierte sich und nahm, die Singles »Desiree« auf, die es immerhin in die Top 100 brachte. Der Name der Band allerdings war ruiniert. Brwon ging und wurde durch Emmet Lake ersetzt. Die Band ging weiterhin unter dem Namen The Left Banke auf Tournee, und für die Produktion der LP »The Left Banke Too« wurde Lake sogar durch den Songwriter Tom Feher ersetzt, doch blieb der Erfolg aus und die Musiker gingen auseinander. Wenig später tat sich Brown mit Martin zusammen, und das Duo produzierte unter dem Namen The Left Banke eine Single, die unbeachtet blieb.
Sporadisch kam die Band in den 1970er-Jahren noch einige Male zusammen, eine Single wurde von Buddah Records veröffentlicht. Ende der 1970er-Jahre spielten Martin, Cameron und Finn sogar noch einmal eine LP ein, »Strangers on a Train«, doch hatte der Name The Left Banke keinen Klang mehr.
Brown tauchte seit Ende der 1960er-Jahre mal hier mal da auf, war an der Gründung der Band Montage beteiligt – ohne Mitglied zu werden, gehörte dann zu der Gründungsformation von The Stories und gründete 1976 The Beckies. An die Erfolge seiner ersten Band konnte er indes nicht mehr anknüpfen. Er blieb dem Musikgeschäft verbunden, betätigte sich einige Jahre als A & R-Manager für Mercury Records und verschwand dann aus dem Focus des Interesses von Musikjournalisten.
The Left Banke war als Reaktion auf die »British Invasion«, den Siegeszug der britischen Bands durch die Hitparaden der USA, entstanden. Brown, musikalisch traditionell vorgebildet und interessiert, nahm für seine Kompositionen eine Reihe von Songs der Beatles zum Vorbild, arrangierte für Flöte, Cembalo, Streicher und mitunter ausgefeilten Satzgesang. Die Rock-Journalistin Lillian Roxon reihte die Musik von The Left Banke unter den Begriff Baroque Rock ein und hier und da wurden die auf den Single-Martk zugeschnittenen Songs der Band gar als Bach-Rock bezeichnet. Doch findet sich auf den wenigen LPs der Band kein einziges Zitat, noch nicht einmal ein Reflex auf die Musik des Thomaskantors. The Left Banke machte das amerikanische Publikum aber mit einem Klang vertraut, der wenige Jahre später hier und da auch in der Musik von Progressive-Rock-Bands zu hören war. Und die Musik von The Left Banke als Ganzes, mit ihren Reminiszenzen an Beatles, Byrds und Beach Boys, kann allemal prototypisch für die amerikanische Rockmusik der 1960er-Jahre stehen.



Diskografie

Walk Away Renée/Pretty Ballerina (1967)
The Left Banke Too (1969)
Strangers on a Train (1986)