The Smashing Pumpkins

Smashing Pumpkins, The, amerikanische Rockband, 1988 in Chicago (Illinois) gegründet.

Bandbiografie

Der Sänger und Gitarrist Billy Corgan, eigentlich William Patrick Corgan Jr., (* 1967), hatte bereits während seines Studiums in diversen Bands gespielt, als er sich entschloss, professionelle als Musiker zu arbeiten. 1985 gründete er mit dem Schlagzeuger Ron Roesing in St. Petersburg (Florida) die Band The Marked. Der Band war allerdings kein Erfolg beschieden und löste sich nach kurzer Zeit wieder auf. Corgan wechselte in seine Heimatstadt Chicago und arbeitete in einem Plattenladen, wo er den Gitarristen James Iha (* 1968) kennen lernte. Die beiden Musiker beschlossen, gemeinsam Songs zu schrieben und nahmen schließlich zwei dieser Stücke auf.
Während eines Konzertes kamen Corgan mit einer Zuhörerin über die Qualitäten des Gehörten ins Gespräch und stellte mit ihr, D’arcy Elizabeth Wretzky (* 1968), gemeinsame musikalische Interessen fest. Wretzky erklärte sich bereit, den Bass in der Band der beiden Musiker zu übernehmen. Da das Trio zunächst keinen passenden Schlagzeuger fand, wurde für Aufnahmen zunächst ein Drum-Computer verwendet. Das Gerät wurde auch für den ersten Auftritt der Band, die sich nun nach einem Vorschlag von Corgans Freund Bob English The Smashing Pumpkins nannte, eingesetzt. Nach dem Konzert erhielt die Band ein Das Angebot in der Chicagoer Konzerthalle Cabaret Metro aufzutreten, wenn Corgan, Iha und Wretzky einen Drummer engagieren würden. Die drei Musiker fanden schließlich in dem Jazz-Schlagzeuger Jimmy Chamberlin (* 1964) einen Schlagzeuger, der sich schnell in die Rolle des Rock-Musikers einfand und innerhalb kürzester Zeit die Songs der Band verinnerlichen konnte. 1989 schaffte es da Quartett, mit einem Song auf einem Sampler vertreten zu sein und veröffentlichte 1990 mit »I Am One« eine Single, er bald die zweite, »Tristessa« folgte. Nach der Veröffentlichung von »Tristessa«, die bei Sub Pop Records erschienen war, nahm Caroline Records, ein Unterlabel von Virgin Records, die Band unter Vertrag. Unter Leitung des Produzenten Butch Vig nahmen The Smashing Pumpkins ihre erste CD auf. Bei den Aufnahmen zu »Gish« (1991) zeichneten sich aber schon erste Risse in der Band ab. Corgan, von dem bis auf den Titelsong alle Kompositionen und Texte stammten, erwies sich als kontrollsüchtig, der sich das Heft nicht aus der Hand nehmen ließ und mitunter Parts von Iha und Wretzky noch einmal selbst einspielte. Zwar setzte er sich nicht auch noch an das Schlagzeug, doch entwickelte Chamberlin in dieser Zeit eine Heroinabhängigkeit, die sich unter anderem in notorischer Unzuverlässigkeit des Schlagzeugers äußerte.
Der dennoch relativ große Erfolg des Albums führte dazu, dass Virgin Records die Band von Caroline Records übernahm; anschließend absolvierten die Smashing Pumpkins ihre erste größere Tournee, noch als Teil des Programms von Bands wie Red Hot Chili Peppers, Jane’s Addicition und Guns N’Roses.
Diese Konzertreihe erwies sich allerdings als Desaster für die Mitglieder der Band: Wretzky und Iha, bis dahin auch privat verbunden, trennten sich in dieser Zeit, Chamberlin litt unter seiner Drogen- und Alkoholsucht und Corgan kämpfte mit einer massiven Depression. Der Gitarrist flüchtete sich in Arbeit und tatsächlich konnten die Ende 1992 begonnenen Aufnahmen zu »Siamese Dream« Im Frühjahr 1993 abgeschlossen werden. Die Musik des Albums ließ sich schwer einordnen: der Grunge aus Seattle beherrschte den Markt der Rockmusik, The Smashing Pumpkins hatten selbst zu einem Film über dieses Musik beigetragen und doch hatten die Kompositionen und Texte Corgans nur wenig mit dieser Musik gemein. Während der Aufnahmen waren die Musiker wieder mehr als einmal aneinander geraten: Corgan hatte die CD nahezu im Alleingang eingespielt und ließ nur Chamberlins Beitrag gelten – Iha und Wretzky sahen sich zu Statisten degradiert.
Der Erfolg gab Corgan allerdings recht: »Siamese Dreams« brachte es bis auf Platz zehn der Charts des Branchenblattes Billboard, Resultat von mehr als vier Millionen verkauften Exemplaren des Albums. Ähnlich erfolgreich war das 1994 von Virgin auf den Markt gebrachte Album »Pisces Iscariot«, eine Sammlung von B-Sides und Raritäten.
Corgan schien davon nicht beeindruckt: Er schrieb ununterbrochen Song um Song und destillierte aus den mehr als 50 Kompositionen 1995 das auf zwei CDs veröffentlichte Schallplattenwerk »Mellon Collie and the Infinite Sadness«. Die überaus erfolgreiche und mit neun Platin-Auszeichnungen bedachte Doppel-CD wurde für sieben Grammys nominiert, doch konnte Corgan schließlich nur eines der kleinen Grammphone entgegennehmen. Die sich der Veröffentlichung des Albums 1996 anschließende Tour stand unter keinem guten Stern: The Smashing Pumpkins befanden sich auf dem Höhepunkt ihrer Popularität, doch hatte dieser Pulikumszuspruch auch seine Schattenseiten, die sich offenbarten, als in Dublin währende eines Konzertes der Band eine Siebzehnjährige durch moshende Zuhörer zu Tode kam. Wenige Woche später kam der für die Tournee engagierte Keyboard-Spieler Jonathan Melvoin durch eine Überdosis Heroin ums Leben, der ebenfalls unter Drogeneinfluss stehende Chamberlin wurde wegen Drogenbesitzes – er war mit Melvoin zusammen gewesen – verhaftet. Chamberlin wurde zwar aus der Band geworfen, die Tour mit Hilfe des Schlagzeugers Matt Walker und des Keyboard-Spielers Dennis Flemion aber fortgesetzt.
Die Geschehnisse hinterließen Spuren bei den Musikern. Iha und Corgan arbeiteten an einer Alternative für ihre auf dem Klang von elektrischen Gitarren basierende Musik und wandten sich elektronischen Klangerzeugern zu. Sie steuerten eine Reihe von Songs für Zusammenstellungen unter verschiedenen Themen bei, auch einen für den Film »Batman & Robin« (1997; Regie: Joel Schumacher). Der Song, unter dem Titel »The End is the Beginning is the End« (1997) veröffentlicht, brachte den Musikern einen weiteren Grammy ein.
Für »Adore« (1998) hatte Corgan zwar auch auf die Mitarbeit von Matt Walker gebaut, daneben aber auch andere Schlagzeuge verpflichtet, vor allem aber wieder einmal einen Drum-Computer eingesetzt. Die elektronisch erzeugten Klänge des Albums kamen beim Publikum in den USA aber nicht gut an, das Bild der Gruppe in der Öffentlichkeit hatte wohl auch durch die Ereignisse der »Mellon Collie«-Tour erheblich gelitten.
Im Hintergrund zeichneten sich erste Auflösungserscheinungen ab. Zwar war Chamberlin 1999 auf seinen Drummer-Sitz zurückgekehrt, aber wenige Monate später verließ D’arcy Wretzky die Band und wurde durch die Bassistin Melissa Auf der Maur (* 1972), vorher bei Hole, ersetzt. An den Aufnahmen zu »Machina/The Machines of God«, das 2000 veröffentlichte wurde, hatte D’arcy, wie sich die Bassistin selbst nannte, noch mitgewirkt. Zwar konnte sich das Album für kurze zeit auf dem dritten Platz der Billboard-Hitparade platzieren, aber ebenso wenig wie »Adore« an früherer Erfolge anknüpfen. Im Frühjahr 2000 gab Corgan dann auch bekannt, dass sich die Band Ende des Jahres auflösen würde. Danach schlug Corgan noch eine Volte: Ein weiteres Album wurde unter dem Titel »Machina II/The Friends & Enemies of Modern Music« wurde zunächst nur als limitierte Auflage in Vinyl verkauft; der Verkauf berechtigte nach dem Willen Corgans den Besitzer, die Musik auch ins Internet zustellen. Tatsächlich gab es nur 25 Exemplare des aus mehreren Platten bestehenden Albums, und das Ganze war vor allem eine Inszenierung des Gitarristen gegen die Plattenfirma der Band, die sich zuvor geweigert hatte, die Outtakes, die vorrangig auf dem Album enthalten waren, gratis ins Internet zu geben.
Nach der Auflösung gingen die Musiker getrennte Wege, wenn auch Corgan sich ab und an mit Chamberlin gemeinsam auf einer Bühne einfand. 2004 veröffentlichte er ein Buch, 2005 mit »TheFutureEmbrace« ein Solo-Album, gelegentlich jammerte er seiner Band hinterher und beschimpfte D’arcy Wretzki und Iha. Die wollten dann auch nicht mitmachen, als Corgan 2005 nach einer dramatischen Ankündigung – er platzierte Anzeigen in zwei Chicagoer Tageszeitungen, The Smashing Pumpkins wiederbeleben zu wollen, diesen Plan tatsächlich in die Tat umsetzte. Auch Melissas Auf der Maur war für das Vorhaben nicht zu gewinnen, so dass Corgan den Gitarristen Jeff Schroeder, die Bassistin Ginger Pooely und die Keyboard-Spielerin Lisa Harriton für einige Auftritte engagierte; nur Chamberlin unterstützte seinen alten Weggefährten. 2007 trat die neu gegründete Formation zunächst in Paris, dann beim Live Earth Konzert in New Jersey auf, kurz vor Veröffentlichung der von Corgan und Chamberlin allein eingespielten CD »Zeitgeist«. Von den früheren Alben war diese CD in jeder Hinsicht weit entfernt. 2008 ging das Duo zwar an die Aufnahmen zu einem weiteren Album, doch verließ Chamberlin Anfang 2009 die Band – ob in beiderseitigem Einverständnis oder aber aufgrund der Tatsache, dass Corgan den Schlagzeuger einfach hinauswarf, blieb im Dunkel. In Mike Byrne (* 1990) fand Corgan schnell Ersatz.
Obwohl The Smashing Pumpkins in der Rockmusik USA der 1990er-Jahre eine bedeutende Stellung einnehmen, ist die Bedeutung dieser Band für die Rockmusik insgesamt einigermaßen unklar. Zeit ihres Bestehens wurden künstlerische Verbindungen zum seinerzeit aktuellen Grunge Rock gesucht und hier und da auch gefunden. Die Band hätte ohne weiteres mit Nirvana und Pearl Jam, erst Recht mit Soundgarden oder Faith No More in einem Atemzug genannt werden können. Doch waren The Smashing Pumpkins eine Formation, in der dem Talent Billy Corgans – aber auch seinem Anspruch – die anderen Mitglieder der Band nichts entgegen zu setzen hatten. Iha mochte aufbegehren, doch machte Corgan ihn zum Wasserträger; D’arcy lieferte den interessanten Blickfang auf der Bühne und beherrschte den Konzertraum mit brüllend lautem, wuchtigem Bass-Sound, der Vorbild für andere wurde, aber darüber hinwegtäuschte, die Bassistin nicht mehr zu bieten hatte. Einzig Chamberlin konnte instrumental mit Corgan gleichziehen und wurde von dem Gitarristen in Ruhe gelassen – vermutlich, weil Corgan selbst nicht Schlagzeug spielen konnte. Als Chamberlin nach Bruch und Wiedervereinigung der Band mehr Raum beanspruchte, war es auch bald mit der Freundschaft der beiden Musiker aus.
Geblieben ist mit »Mellon Collie and the Infinite Sadness« ein Doppelalbum, das als das zentrale Werk der Band gelten muss und tatsächlich über die Zeit hinausweist. Die mehr als zwei Dutzend Songs, kreisend um die Themen Leben und Tod, lassen die Bezeichnung Grunge im Zusammenhang mit der Musik der Band als vollkommen falsch erscheinen, selbst wenn es hier natürlich auch den verzerrten Klang der elektrischen Gitarren gibt. Aber ist gibt eben auch eigenwillige und eigenartige Instrumentierungen und überlegte Arrangements, die der Musik etwas unfertig Artifizielles geben, als habe jemand versucht, mit einem groben Pinsel feinste Details zu malen. So gibt es durchaus die Meinung, dass Corgan hier seine in den zwei Alben zuvor präsentierte Vorliebe für eine Art »Psychedelic Grunge« in einen vollkommen subjektiven Progressive Rock umgeleitet hat.



Auszeichnungen

Grammy 1997
Grammy 1998



Diskografie

Gish (1991)
Siamese Dreams (1993)
Mellon Collie and the Infinite Sadness (19959
Adore (1998)
Machina/The Machines of God (2000)
Machina II/The Friends & Enemies of modern Music (2000)
Zeitgeist (2007)



Weblink

http://www.smashingpumpkins.com/ (Offizielle Website der amerikanischen Rockband The Smashing Pumpkins)