The Turtles

Turtles, The, amerikanische Rockband, 1965 in Westchester (Kalifornien) aus der Surfrock-Band The Crossfires hervorgegangen.

Der Sänger Howard Kaylan, eigentlich Howard Kaplan (* 1947), der Gitarrist Al Nichol, der Bassist Chuck Portz und der Schlagzeuger Don Murray hatten ab 1963 in der Band The Nightriders zusammengespielt, bis sich ihnen der Sänger und Saxophonist Mark Volman (* 1947) anschloss. Die Band benannte sich daraufhin in The Crossfires um. Unter diesem Namen veröffentlichen die Musiker zwei Singles, die dem DJ Reb Foster auffielen. Foster verschaffte der Band 1965 einen Plattenvertrag bei White Whale Records. Erneut benannte sich die Gruppe um, analog der Byrds in The Tyrtles, bald aber dann in korrekter Schreibweise The Turtles.
Auf Anhieb hatte die Band Erfolg. Noch im gleichen Jahr erreichten sie mit ihrer Single »It ain´t me babe« – der Cover Version eines Songs von Bob Dylan – die Top Ten der Charts und auch die zweite und dritte Single, »Let me be« und »You baby« kamen wenigstens in die Top Thirty.
Die zum zweiten Album, »You Baby« (1966), gehörenden Singles indes waren weit weniger erfolgreich, und als eine Torunee anstand, verließen Protz und Murray die Band. Sie wurden ersetzt durch den Bassisten Chip Douglas und zunächst den Schlagzeuger Joel Larson, dieser wiederum durch John Barbata. Douglas erwies sich als Glücksfall für die Turtles: Er zupfte nicht nur den Bass, sondern arrangierte auch die Songs, die die Musiker nicht selbst schreiben. So auch den von Garry Bonner und Alan Gordon geschriebenen Song »Happy together« (1967), der der einzige Top-Hit der Band wurde. Der Erfolg dieser Single zeigte seien Schattenseite, als Douglas von den Monkees abgeworben wurde, die sich mit dessen Hilfe eine Änderung ihres Images als bloße Retortenbands erhofften. Bereits 1968 aber arbeitet Douglas auch wieder mit den Turtles zusammen, die nach dem Erfolg von »Happy together« zwar nichts Vergleichbares hatte folgen lassen können, aber immerhin das Publikumsinteresse wach gehalten hatten. Noch im selben Jahr veröffentlichten Sie das Konzeptalbum »The Turtles present the battle of the bands«, mit dem sie die seinerzeit beliebten Bandwettbewerbe gekonnt parodierten und elf stilistisch völlig unterschiedliche Songs, vorgetragen von eben so vielen fiktiven Bands. Einer, »Elenore«, schaffte es in die Top Ten der US-Hitparade. »Elenore« lebte vor allem durch den Gesang Volmans und Kaylans, die nun zunehmend die Geschicke der Band übernahmen. Vorausgegangen waren Streitigkeiten mit ihrer Plattenfirma White Whale, die einen kompletten Stilwechsel der Turtles forderte – mitsamt Entlassung der anderen Bandmitglieder. Doch auch die Rechnung von Volman und Kaylan, bei dem ambitionierten, ironischen Pop zu bleiben, ging nicht recht auf und so war die 1969 veröffentlichte LP »Turtle soup« die letzte originäre kreative Äußerung der Band. Produziert hatte dieses Album Ray Davies von den Kinks.
Volman und Kaylan verdingten sich als Background-Sänger – so etwa für T. Rex oder Bruce Springsteen. 1970 schlossen sie sich Frank Zappas Mothers of Invention an, wo sie als The Phlorescent Leech & Eddie maßgeblich an dem Film »200 Motels« mitwirkten. Der Namenswechsel war nicht ganz freiwillig erfolgt – White Whale hatten sie zu Beginn ihrer Karriere die Rechte nicht nur an dem Bandnamen The Turtles, sondern auch gleich an ihren Nachnamen überlassen. Lange hatte White Whale allerdings nicht Freude an diesem Vertrag: Volman und Kaylan sicherten sich wenige Jahre nach dem Bruch mit White Whale die Rechte an den Masterbändern der Turtles-Alben und veröffentlichten die Zusammenstellung »Happy together again«. Als 1984 die beiden Sänger sich die Rechte an dem Namen The Turtles juristisch erstritten hatten, wurde dieser Plattentitel wahr: Die Band ging unter der Bezeichnung The Turtels featuring Flo & Eddie auf Tournee und gehört seitdem mit bis zu 100 Konzerten jährlich zum amerikanischen Nostalgie-Zirkus.
The Turtles sind eine der vielen Antworten auf die British Invasion. Hervorgegangen aus einer Surf-Band, sahen Volman und Kaylan die Möglichkeiten der von den Briten ins Land gebrachen Rockmusik und kombinierten deren freundlich ironische Distanz mit der Unbeschwertheit des kalifornischen Strand-Rocks. Wenn auch Kaylan und Volman spielten als Sänger der Band ihr komödiantisches Talent ausspielten, so sind keineswegs alle Songs der Band lediglich Gags oder gar Klamauk. Vielmehr spielen »Happy together« und »Elenore«, erst recht die gesamte LP »Battle of the bands« auf ebenso intelligente wie unterhaltsame Weise mit bestimmten Topoi der Rockmusik – nebenbei ist »Elenore« eines der hübschesten Liebeslieder der Rockmusik.



Diskografie

It ain’t me babe (1965)
You baby (1965)
Happy together (1967)
The Turtels present the battle of the bands (1968)
Turtle soup (1969)
Wooden Head (1970)



Weblinks

http://www.theturtles.com (Offizielle Website der amerikanischen Rockband The Turtles)