Vangelis

Stichworte Aphrodite’s Child | Yes | Jon Anderson



Vangelis, eigentlich Evangelos Odysseas Papathanassiou, griechischer Komponist, * Volos 29.3. 1949

Biografie

Evangelos Papathanassiou begann als Kind, sich selbst das Klavierspiel beizubringen; angeblich lernte er auch später nicht, trotz formellen Unterrichts am Klavier, Noten zu lesen. Anfang der 1960er-Jahre gründete mit anderen Musikern eine der erfolgreichsten griechischen Beat-Bands. The Forminx (auch The Formynx), benannt nach dem antiken griechischen Saiteninstrument Phorminx, hatte in ihrem Heimatland einige Hits, darunter »Jeronimo Yanka«. Nachdem die Band sich 1966 aufgelöst hatte, verlegte Vangelis sich auf das Produzieren der Schallplatten anderer Bands, arbeitete daneben auch als Studiomusiker.
1968 gehörte der versierte Pianist und Organist zu den Gründern der Band Aphrodite’s Child. Die Band verließ bald Griechenland, in der Hoffnung, von Großbritannien aus eine internationale Karriere beginnen zu können. Da dies nicht möglich war, wechselten die Musiker nach Paris, wo auch der größte Hit der Band, »Rain and Tears« (1968), entstand. 1971 löste sich Aphrodite’s Child auf.
Vangelis hatte bereits während seiner Mitgliedschaft bei der Band hin und wieder Musik für Filme geschrieben, so etwa 1969 für den Film »Sex Power – L ’Homme Coeur« (1970; Regie Henry Chapier). Andere von ihm komponierte Musik wurde zunächst nicht veröffentlicht, so zwei Alben, die in London aufgenommen worden waren. Vangelis schrieb die Musik zu einem Dokumentarfilm von Frédéric Rosif (* 1922, † 1990) und zu einem Film über die Studentenunruhen in Griechenland 1968.
1973 veröffentlichte er unter dem Namen Vangelis sein erstes Solo-Album, »Earth«. Bei den Aufnahmen zu diesem Album hatten ihn einige Musiker unterstützt, so Silver Koulouris von Aphrodite’s Child. Nicht zuletzt aufgrund dieses Albums entstand 1974 das Gerücht, Vangelis würde Rick Wakeman bei Yes ersetzen. Tatsächlich kam es zu einigen gemeinsamen Proben von Band und Keyboard-Spieler, doch sagte Vangelis schließlich doch ab. Immerhin resultierte aus dieser Zeit seine spätere Zusammenarbeit mit dem Sänger von Yes, Jon Anderson, die in den 1980er-Jahren einige gemeinsame Alben ergab.
Vangelis, nunmehr von RCA Records unter Vertrag genommen, baute ein eigenes Studio auf, dem er den Namen »Nemo Studios« gab, und produzierte zwischen 1975 und 1979 einige Alben mit elektronischer Musik. Aus diesen Alben wurde im Laufe der Jahre immer wieder Musik für Filme jeglicher Art entnommen, selbst für Werbefilme. 1981 schrieb Vangelis tatsächlich wieder die komplette Musik für einen Film: »Chariots of Fire« (1981; Regie: Hugh Hudson) erzählte die Geschichte von zwei Athleten, die an den Olympischen Spielen 1924 teilgenommen hatten. Die Musik von Vangelis bezog sich aber nicht auf die Musik dieser Zeit, sondern war vor allem mithilfe von Synthesizern eingespielt worden. Wie Hudson für den Film erhielt Vangelis einen Oscar für die Musik zum Film. Damit hatte er sich in Hollywood etabliert und war fortan als Filmmusik-Komponist äußerst gefragt. Schon 1982 komponierte er Musik zu Ridley Scotts Science-Fiction-Film »Blade Runner« nach Philip K. Dicks Buch »Do Androids dream of electric Sheep?« (1968). Wenn für den Film auch weitere, nicht von Vangelis komponierte Musik zum Einsatz kam und Vangelis’ Musik erst 1994 als separates Album veröffentlicht wurde, so basiert doch ein großer Teil des Renommees des griechischen Komponisten gerade auf diesem Film.
Vangelis komponierte zwar weiterhin für Filmproduktionen, so etwa 1992 abermals für Ridley Scotts Segelschiff-Film »1492: Conquest fo Paradise«, doch wandte er sich auch anderen Aufgaben zu, schrieb die Musik Theater- und Ballett-Aufführungen und 2000 die Musik für die Schlussfeier der Olympischen Spiele in Sydney und 2002 anlässlich der Fußballweltmeisterschaft eine Hymne für die FIFA.
Vangelis’ spezifische Auffassung von Musikästhetik rührt zu einem Teil sicherlich aus den Werken von Komponisten der Romantik und Spätromantik. So übertrug er die orchestrale Klanggestaltung dieser Musik auf Synthesizer und traf sich darin mit den Maßstäben des Progressive Rock der 1970er-Jahre. So türmte Vangelis unter Einsatz diverser Keyboard-Instrumente und mit Hilfe avancierter Mehrspurtechnik Klangschicht um Klangschicht übereinander. Seine Kompositionen sind dabei keineswegs übermäßig kompliziert, sondern sind eher durch einen hymnischen, oft pathetischen Charakter gekennzeichnet. So dürfte die Musik zu »Blade Runner« manchem Keyboard-Spieler dieser oder jener Progressive-Rock-Band als Inspiration gedient haben.



Diskografie

Fais que Ton Rêve Soit Plus Long que la Nuit (1972)
Earth (1973)
Heaven and Hell (1975)
Albedo 0.39 (1976)
Spiral (1977)
Beaubourg (1978)
China (1979)
See You Later (1980)
Soil Festivities (1984)
Mask(1985)
Invisible Connections (1985)
Direct (1988)
The City (1990)
Voices (1995)
Oceanic (1996)
El Greco (1998)
Mythodea: Music for the NASA Mission: 2001 Mars Odyssey (2001)
El Greco (2007)