Vanilla Fudge

Stichworte Hammond-Orgel | Adaption | Arrangement | Psychedelic Rock | Suite



Vanilla Fudge, amerikanische Rockband, 1967 in New York aus der Band The Pidgeons hervorgegangen.

Bandbiografie

Der Sänger und Organist Mark Stein (* 1947) und der Sänger und Bassist Tim Bogert (* 1944) hatten schon in der Band Rick Martin & The Snowmen Musik gemacht, suchten aber nach einer Möglichkeit, die Orgel mehr in den Vordergrund zu stellen. Inspiriert von der amerikanischen Soul-Band The Rascals gründeten die beiden Musiker mit dem Schlagzeuger der Snowmen, Joey Brennan, und dem Sänger und Gitarristen Vince Martell (* 1945) die Band The Pidgeons. Als Brennan die Gruppe verließ und der Schlagzeuger Carmine Appice (* 1946) ihn ersetzte, nannten die Musiker ihre Formation Vanilla Fudge. In dieser Besetzung trat die Band Anfang 1967 das erste Mal öffentlich in New York auf. Durch zahllose weitere Konzerte konnte Vanilla Fudge bis Ende desselben Jahres ein großes Publikum für sich einnehmen und wurde schließlich von Atlantic Records unter Vertrag genommen.
Bereits mit der ersten Single, »You keep Me hangin’ on« – 1966 ein Hit der Supremes -, demonstrierte das Quartett seien Auffassung von zeitgemäßer Rockmusik: Die Musiker hatten das Tempo des Songs erheblich verlangsamt, die Klänge der Orgel ins Zentrum des Songs gesetzt und auf diese Weise aus dem Soul-Song ein Stück Heavy Rock gemacht. »You keep Me hangin’ on« brachte es auch in dieser Fassung und ein Hit und für Vanilla Fudge eine Vorlage für eine Reihe weiterer Cover Versions, mit deren zerdehnten Arrangements die Band ihren Ruf als Protagonisten des »psychedelischen« Rocks begründete: »Ticket to Ride«, »Eleanor Rigby« von den Beatles, »Bang bang (My Baby shoot Me down)« und weitere bekannte Songs mehr wurden von Vanilla Fudge durch den Zeitwolf gedreht. Die LP »The Beat goes on« (1968) wurde sogar von einer Cover Version des Hits von Sonny & Cher zusammen gehalten: Der Song wurde, auch in Bruchstücken, zu einem stets wiederkehrenden Intermezzo, das zwischen die eigentlichen Songs, darunter auch Zitate und Bearbeitungen einiger Stücke aus der traditionellen Kunstmusik, geschoben wurde
Nach drei weiteren LPs, mit denen die Musiker ihr Konzept, die Kompositionen anderer Rock- und Popmusiker in einem neuen, mitunter gänzlich anderen Licht erscheinen zu lassen, fortsetzten, löste sich Vanilla Fudge auf. Appice und Bogert wollten mit dem Gitarristen Jeff Beck ein Trio gründen, doch konnten sie wegen des Ausfalls von Beck – er hatte sich bei einem Autounfall eine Hand gebrochen – nicht in die Tat umsetzen; Bogert und Appice gründeten darauf die Hardrock-Band Cactus. 1972 kam es dann doch noch zu einer Zusammenarbeit von Bogert und Appice mit Beck.
1982 tat sich Vanilla Fudge noch einmal zusammen: Atco Records, ein Unterlabel von Atlantic, hatte eine Best-of-Sammlung zusammengestellt, woraufhin die Band noch einmal ins Studio ging und 1984 mit »Fresh Material« ein weiteres Album aufgenommen; Martell war nicht mehr dabei, für ihn spielten Beck – er nannte sich für diese Veröffentlichung J. Toad – und Ron Mancuso Gitarre. 1988 trat Vanilla Fudge anlässlich des 40. Jahrestages von Atlantic Records einmal auf, und 1991 gründete Appice die Band noch einmal, wenn außer ihm keiner der anderen Musiker der Urbesetzung an dieser Formation beteiligt war. Weitere Reunions – dann auch mal mit Bogert und Appice – gab es 1999 und 2002. 2005 war die Band mit Bogert, Appice, Stein und Martell erstmals seit Jahren wieder komplett und ging mit The Doors und Steppenwolf auf eine Nostalgie-Tour. In der Originalbesetzung wurde das Led-Zeppelin-Tributealbum »Out Through the in Door« (2007) eingespielt. Seitdem ist Vanilla Fudge immer wieder mal auf der Konzertbühne zu sehen.
Vanilla Fudge nimmt in der Geschichte der Rockmusik eine Schlüsselstellung ein: Mit den Mitteln des so genannten Psychedelic Rock – kenntlich etwa an der gelegentlich extremen Verlangsamung und Variabilität des Tempos, der Vormacht des mitunter auch verzerrten und durch ein Wahwah verfremdeten Orgelklangs, der Abkehr von der Bedeutung des Gesangs – schufen Stein, Bogert, Martell und Appice eines der Fundamente für den Progressive Rock, wenn es diesen Begriff in den 1960er-Jahren auch noch gar nicht gab. Das Album »The Beat goes on« zeigt alle Elemente dieser Musik, die wenig später die Rockmusik für Jahre bestimmte: Es ist ein Konzeptalbum – die Band führt den Hörer durch die Geschichte der Pop-Musik mit Zitaten aus Stücken von Cole Porter, Leiber/Stoller, Lennon/ McCartney und anderen mehr, die durch bearbeitete Bruchstücke aus Kompositionen von W.A. Mozart und L.van Beethoven zusammengeklammert werden -, das als Leitmotiv nur drei Töne aus Bonos und Chers Hit »The Beat goes on« nimmt, diese aber mittels mal überdimensionaler Instrumentierung aus der Banalität reißen will. Über zwei Seiten der LP bildet diese Zeitreise eine Suite, in der auch Bruchstücke aus Reden von W. Churchill, F.D. Roosevelt, J.F. Kennedy und anderen zu hören sind, selbst die ersten je aufgenommenen Worte – von Th.A. Edison – fehlen nicht. Anders als bei »Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band« von den Beatles fehlt hier allerdings der melancholische und leicht ironische Unterton. Für nach diesem Album kommende Konzeptalben und Rocksuiten war »The Beat goes on«, bewusst oder nicht, Vorbild. Und von dem Klang der Orgel Steins war selbst Jon Lord von Deep Purple inspiriert.



Diskografie

Vanilla Fudge (1967)
The Beat Goes On (1968)
Renaissance (1968)
Near the Beginning (1969)
Rock & Roll (1969)
Mystery (1984)
The Best Of Vanilla Fudge – Live (1991)
Vanilla Fudge 2001/ The Return / Then And Now (2002)
Out Through the in Door (2007)



Weblink

http://www.vanillafudge.com/ (Offizielle Website der amerikanischen Rockband Vanilla Fudge)