The Wilde Flowers

Wilde Flowers, The, britische Rockband, 1964 in Canterbury gegründet. Der Name der Band bezieht sich auf den Namen des Dichters Oscar Wilde.

The Wilde Flowers entstanden aus einer 1963 von Schülern gebildeten Band: Robert Wyatt, Hugh Hopper und Mike Ratledge hatten sich als Schüler der Simon Langton Grammar School for Boys kennen gelernt und ein Trio gegründet. Entsprechend der etwas elitären, aber wohl auch liberalen Atmosphäre an der Schule eiferten die drei jugendlichen Musiker nicht der seinerzeit aktuellen Rock- und Popmusik nach, sondern dem Jazz von Ornette Coleman, Cecil Taylor und John Coltrane. Als Wyatt den aus Australien stammenden Daevid Allen kennen lernte, gründete er mit ihm und Hugh Hopper das Daevid Allen Trio. Bald wurde aus dem Trio mit eine lose Gruppe, zu der neben Hugh Hopper dessen Bruder Brian auch Kevin Ayers gehörte. Allen war für die Jugendlichen nicht zuletzt wegen seiner Sammlugn von Jazz-Schallplatten interessant, sondern auch wegen seines von den amerikanischen Beatniks abgeschauten Lebensstils. So beschränkte sich sein Einfluss nicht auf die Musik. Schon nach kurzer Zeit sahen sich die Eltern Wyatts gezwungen, ihren Sohn zu seinem Onkel, dem Dichter Robert Blake, nach Deià auf Mallorca zu schicken, um ihm den Zugriff auf Drogen abzuschneiden. Wyatt erhielt auf Mallorca bei dem Schlagzeuger George Niendorf einige Stunden Schlagzeugunterricht. Zurückgekehrt nach Canterbury, suchte Wyatt indes erneut die Nähe zu Allen. Sie reaktivierten das Trio, zu dem gelegentlich auch Ratledge stieß, und hatten noch 1963 im Establishment Club in London ihren ersten Auftritt. Die Mischung von Beat-Poesie und freien Improvisationen zog allerdings kein größeres Publikum an. Als Allen Canterbury verließ und nach Paris ging, benannte sich die Band nach einer Idee Ayers in The Wilde Flowers um und begann sich nun an der aktuellen Rock- und Popmusik zu orientieren. In der ersten Besetzung mit Wyatt, den Brüdern Hopper, Richard Sinclair spielten The Wilde Flowers Cover Versions von Soul -Titeln, bekannte Stücke von Ray Charles und Chuck Berry, durchmischt mit gelegentlichen Anklängen an den früher favorisierten Jazz; bei ihrem ersten Auftritt spielte die Band auch Songs von den Beatles. Erst nach und nach wurden die Cover Versions durch Eigenes ersetzt.
Wenn The Wilde Flowers auch keine einziges Album veröffentlichten und Zeit ihres Bestehens mit Personalschwierigkeiten zu kämpfen hatten, so war diese Band dennoch die Keimzelle eines spezifisch britischen Jazzrocks, der unter dem Namen Canterbury Scene in die Rockgeschichte einging, und zu dem im engeren Sinn etwa ein Dutzend Bands gezählt werden. Bei The Wilde Flowers waren viele Musiker zeitweilig Mitglied, die später, nach der Auflösung von The Wilde Flowers 1967, in anderen Bands der Canterbury Scene eine Rolle spielten, so Hugh Hopper, Robert Wyatt, Kevin Ayers, der Gitarrist und Bassist Richard Sinclair, der Sänger Graham Flight, der Gitarrist Pye Hastings, der Schlagzeuger Richard Coughlan, der Keyboardspieler Dave Sinclair und der Gitarrist und Saxofonist Brian Hopper. Hugh Hopper, Brian Hopper, Wyatt und Ayers bildeten später Soft Machine, Richard Sinclair, Pye Hastings, Dave Sinclair und Richard Coughlan Caravan; beide Gruppen waren die ersten der Canterbury-Strömung, die Schallplatten veröffentlichen konnten. Einige der Namen finden sich auch auf den Besetzungslisten von Matching Mole, National Health, Hatfield and the North, 801 und weiteren mehr, bis in jüngste Zeit.
Der spezifische Klang der Canterbury-Bands war – wie eine Mitte der 1990er-Jahre veröffentlichte CD der Wilde Flowers mit vorher nur vereinzelt zugänglichen Kompositionen vornehmlich der Gebrüder Hopper und Robert Wyatt zeigt – teilweise bereits bei dieser Band gegenwärtig, wenn auch viele Stücke an die Songs von The Beatles, The Kinks, Herman’s Hermits und anderen seinerzeit aktuellen Bands stammten oder wenigstens erinnerten. Exemplarisch zeigen die weiteren Wege, die die Musiker der Wilde Flowers gingen, wie bestimmte musikalische Ideen, aber auch ein Klang, entstehen und diverse Wandlungen erfahren, im Kern aber bestehen bleiben und eine ganze Strömung innerhalb der Rockmusik prägen kann.


Diskografie

The Wilde Flowers (1994)
Canterburied Sounds Volume I – IV (1998)


Weblink

http://www.britishmusicarchive.com/W/307-wilde-flowers (Website mit umfangreichen Informationen zur Geschichte der britischen Band The Wilde Flowers)