Yes

Yes, britische Progressive-Rockband, 1968 in London gegründet.

Bandbiografie

Der Bassist Chris Squire hatte seine Karriere in der Rockband The Syn begonnen. Nachdem er Mitte 1968 in dem Londoner Club La Chasse den Sänger Jon Anderson kennen gelernt hatte, beschlossen die beiden Musiker, gemeinsam Songs zu schreiben. Überraschend schnell kamen Squire und Anderson zu brauchbaren Ergebnissen und bald begannen sie weitere Musiker für eine Band zu suchen. Squire hatte den Namen schon festgelegt: Yes sollte die neue Formation heißen. Squire war klug genug, sich die Rechte an dem Namen zu sichern, was in der Zukunft noch bedeutsam werden sollte.

1968 gehörten zu der ersten Yes-Inkarnation neben Squire und Anderson der Gitarrist Peter Banks (* 1947, † 2013), der Organist Tony Kaye (* 1949) und der Schlagzeuger Bill Bruford. Schon bald gab Yes die ersten Konzerte, zunächst beschränkt auf den Londoner Stadtraum und vorzugsweise im Marquee Club. Vor ein größeres Konzertpublikum trat die Band im Rahmen des letzten Konzertes der Bluesrock-Band Cream.

1969 veröffentlichte die Band ihr erstes Album, dem sie den Bandnamen als Titel gaben. Auf »Yes« fanden sich Cover Versions und eigene Kompositionen, doch wirkte das Album insgesamt noch uneinheitlich und gab über die musikalische Richtung der Band kaum Aufschluss. Mit »A Time and a Word«, ein Jahr später vorgelegt, änderte sich das nur wenig. Mit einem Auge nach der zur gleichen Zeit immens erfolgreichen Band The Nice geschielt, hatten die Musiker um Jon Anderson für einige Songs ebenfalls ein Orchester engagiert. Die Produktion dieses ambitionierten Albums – zu dieser Zeit war es für Bands, die ernste genommen werden wollten, geradezu obligatorisch, mit einem Orchester zu interagieren – hatte Eddie Offord übernommen. Die LP förderte Offords Karriere: Er wurde in den folgenden Jahren zum zentralen Produzenten des Progressive Rock. »Time and a Word« war kommerzielle allerdings kaum erfolgreicher als die ersten beiden Alben, wenn es auch mit dem Song »Astral Traveller« einen Hinweis gab, in welche Richtung sich Yes entwickeln wollte.

Peter Banks indes war nicht an Kunst, sondern an Rock interessiert und verließ die Band. Für ihn kam der Gitarrist Steve Howe. Howe hatte zuvor schon in den Bands The Syndicates, The in Crowd und Tomorrow gespielt, daneben als Studiomusiker an diversen Produktionen mitgewirkt. Schon bei den ersten Aufnahmen des Nachfolgers von »A Time and a Word« als ein Meister seines Instrumentes, zeigte sich nur wenig vom Blues beeinflusst, war unabhängig von der Musik eines Jimi Hendrix oder Eric Claptons, griff stattdessen auf Klassik und Jazz zurück -spielte gleichermaßen virtuos elektrische Gitarre, Pedal Steel Guitar und die akustische Gitarre. »The Yes Album«, 1971 veröffentlicht, war von seinem Spiel geprägt, fortan prägte er in wesentlichem Maße den Klang der Band. Als dann Kaye Yes den Rücken kehrte und für ihn der Pianist und Organist Rick Wakeman in die Band.

Wakeman war unter den britischen Rockmusikern kein Unbekannter: Er war als Studiomusiker stark gefragt, war mit David Bowie und Cat Stevens (Yusuf) gewesen und war als akademisch ausgebildeter Pianist zu Produktionen zwischen Jazz, Rock und Werbe-Jingles engagiert worden. Schließlich hatte er ein Angebot des Gitarristen und Sängers Dave Cousins angeboten, die Keyboards in dessen Band Strawbs zu übernehmen. Der hochgewachsene Keyboardspieler war mit dieser leidlich erfolgreichen Band so bekannt geworden, dass sich Anfang der 1970er-Jahre gleich mehrere Bands für ihn interessierten. Den Zuschlag Wakemans erhielt dann Yes. Für die Aufnahmen von »Fragile« (1971) stand somit die erste »klassische« Besetzung von Yes mit Anderson, Howe, Wakeman, Squire und Bruford im Studio.

Mit Wakeman kam das Element der Kunstmusik in die Band. Zwar eiferte Wakeman nicht etwa Keith Emerson nach, der zur gleichen Zeit mit den ersten LPS von Emerson, Lake & Palmer mit Bearbeitung klassischer Musik ein großes Publikum ansprach, in seinem Spiel gibt es keine Zitate und für »Fragile« steuerte er lediglich eine Bearbeitung eines Teils des dritten Satzes der Symphonie Nr. IV von Johannes Brahms bei, doch wich sein Spiel erheblich von dem weit mehr an Vorbildern aus dem Rockbereich orientierten Spiel Tony Kayes ab. Gleichermaßen virtuos und sicher in seinen Klangvorstellungen setzte er Hammond-Orgel, Klavier, Mellotron und den gerade auf den Markt gekommenen Minimoog-Synthesizer ein – stets aber schimmerte seine traditionelle Pianoausbildung durch. Er bot Howe einen kreativen Widerpart und endlich war Yes eine Formation von gleichrangigen Musikern. Mit der neuen LP – aufwändig mit einem Klappcover ausgestattet, in das ein Heft mit Portraits der Musiker eingebunden war – wurde die Band aber auch zur »Marke«: Für die Gestaltung war der Grafiker und Maler Roger Dean gewonnen worden, der fortan die meisten Cover der Band entwarf. Seine gleichzeitig in die Vergangenheit wie in die Zukunft weisenden phantastischen Bilder wurden ein Ausdruck der Zeit. Auch hatte wieder Eddie Offord die Produktion übernommen.

Deans Bilder illustrierten in kongenialer Weise die Musik von Yes. Anderson hatte die lyrische Vorlagen für die Bilder, sang von fernen Welten und prähistorischen Zuständen, sang mit seiner hohen, unverwechselbaren Stimme beseelt von einer Weltsicht, die mit der Realität der Gegenwart fast nichts, mit einer zusammengeklaubten, etwas beliebigen Esoterik viel zu tun hatte. Weltfremd war die Band indes keineswegs: Technisch hochgerüstet wie nur noch Emerson, Lake & Palmer oder Pink Floyd wussten sie die Segnungen der seinerzeit aktuellen Musikelektronik nicht nur zu schätzen, sondern auch souverän einzusetzen.

»Fragile« leitet den weltweiten Erfolg der Band ein: Songs wie »Roundabout«, »Long Distance runaround« und »Heart of the Sunrise« waren gelungenen Prototypen einer Rockmusik, die in dem Titelstück der 1972 veröffentlichten LP »Close to the Edge« einen ersten Höhepunkt fand, der Höhepunkt des Progressive Rock überhaupt. »Close to the Edge« bestand aus einem einer Suite ähnlichen Gebilde, in dem die einzelnen Abschnitte der Komposition miteinander verzahnt waren, Teile des Eröffnungssatzes sich in einer Art Reprise wiederholten, insgesamt eingebettet in die Suggestion eines unendlichen Klangstromes.

Für die Band stellte die CD aber auch einen vorläufigen Endpunkt dar. Bruford ging, für ihn wurde der Schlagzeuger Alan White (* 1949) geholt, der viele Jahre als Studioschlagzeuger gearbeitet hatte und durch sein Spiel in John Lennons Plastic Ono Band bekannt geworden war. In dieser Besetzung nahm die Band das Doppelalbum »Tales from topographic Oceans« (1973) auf, ein umstrittenes Schallplattenwerk, wenn auch durchaus die logische Folge von »Close to the Edge«.

Allerdings kriselte es schon während der Aufnahmen zwischen den Musikern. Wakeman, von völlig anderem Naturell als vor allem Anderson und Squire, die Yes als Stil lebten, sah nach der Veröffentlichung des Albums vor allem sich im Kreuzfeuer der Kritik, verließ Yes und nahm eine zunächst sehr erfolgreiche Solo-Karriere auf. Die Band fand in dem Schweizer Keyboard-Spieler Patrick Moraz schnell adäquaten Ersatz; Moraz hatte vorher in der Band Refugee gespielt. Mit dem Schweizer and en Keyboards entstand 1974 »Relayer«, mit dem Yes die Formlosigkeit des Vorgänger-Albums überwand. »Relayer« überzeugte ebenso wie »Close to the Edge«, bot von aggressiven Passagen Howes durchsetzte Passagen und ausgedehnte Ausflüge in den Bereich des Jazzrocks. »Relayer« zählt trotz des Wechsels an den Keyboards zu den »klassischen« Alben der Band und steht neben »Fragile« und »Close to the Edge«.

Indes – Moraz’ Mitgliedschaft bei Yes blieb eine kurze Episode, beschränkt auf dieses eine Album. Sein Weggang sollte sogar das Debakel des ständigen Musikerwechsels einleiten. Zunächst allerdings geriet Yes angesichts des die britische Musikwelt erschütternden Punks in eine Schreckensstarre. Einige Jahre vergingen, dann zeigten die Musiker, dass sie ihre Lektion gelernt hatten und legten 1977 »Going for the One« vor. Statt ausgedehnter Klangprozesse enthielt das Album kürzere Songs und mit dem Titelstück sogar handfesten Rock – die Single hatte das Zeug zum Hit. Wakeman war wieder an seine Keyboards zurückgekehrt, spielte 1978 noch »Tormato« mit ein und verließ Yes aufs Neue. Als dann auch Anderson ging, zerschlugen sich die Hoffnungen vieler Fans der Gruppe, dass Yes über kurz oder lang wieder an die alten Erfolge würde anknüpfen können.

Es kam dann zu einer auf den ersten Blick merkwürdigsten Umbesetzungen in der Geschichte der Rockmusik: Für Anderson und Wakeman holten die restlichen Mitglieder der Band den Produzenten Trevor Horn und den Keyboardspieler Geoff Downes – beide hatten kurz zuvor als Buggles mit pfiffigen, aber eher harmlosen Liedchen einigen Erfolg in den Hitparaden der Welt zu verzeichnen. Durch die beiden durchaus fähigen Musiker änderte sich der Klang der Band radikal: Die Bedeutung der Keyboards schwand, Howe wurde kaltgestellt.

Nun begannen die Streitereien unter den Musikern. So gingen zu Beginn der 1980er-Jahre immer wieder mal verschiedene Musikeransammlungen unter dem Namen Yes auf Tournee; Downes ging zu Asia, Squire und White gründeten Cinema. Mit dem Interimsgitarristen Trevor Rabin, einem Gitarrenvirtuosen amerikanischer Prägung, und dem Keyboardspieler für alle Fälle Eddie Jobson, ging Anderson 1984 auf Tournee. 1988 dann war die klassische Besetzung aus Anderson, Howe, Bruford und Wakeman wieder zusammen, doch fehlte Squire, der prompt auch die Zustimmung zur Benutzung des Namens Yes verweigerte: Der Bassist war natürlich immer noch im Besitz der Rechte an dem Namen. Das gemeinsame Album der vier Musiker erschien dann auch unter der umständlichen Band-Bezeichnung Anderson, Bruford, Wakeman, Howe. Es blieb ein Solitär, wenn auch ein recht erfolgreicher. Einige Zeit gab es also zwei Formationen, an denen Yes-Musiker mitwirkten: Yes mit Squire, White, Rabin und Kaye einerseits, Anderson, Bruford, Wakeman, Howe andererseits. 1991 kam es zu einer »Union« all dieser völlig unterschiedlichen Musiker, man veröffentlichte eine CD und ging gemeinsam auf Tournee.

Seitdem gibt es immer wieder Vereinigungen der Musiker in verschiedenen Konstellationen. Anderson und Wakeman produzieren mehr oder weniger beständig Solo-Alben und auch Howe wandte sich verstärkt eigenen Ambitionen zu. Der Markt wurde mit einer Fülle von CDs und DVDs mit Live-Aufnahmen, Jubiläumsshows und immer wieder neuen Zusammenstellungen und Unveröffentlichtem überschwemmt. Mitunter, so 2003, kam es zu einer Wiedervereinigung der zweiten klassischen Besetzung mit Anderson, Squire, Howe, Wakeman und White, wenige Monate später standen dann wieder Squire, Howe, Rabin, White und Downes als Yes vor ihrem Publikum. Gegen Ende des ersten Jahrzehnts des neuen Jahrtausends bestand der Name nach wie vor und immer fanden sich aus dem Heer der Musiker, die im Laufe der Jahrzehnte bei der Band gespielt hatten, welche, die als Yes auf Tournee oder ins Studio gehen wollten.

Die Zahl der Veröffentlichungen unter dem Bandnamen Yes kann indes nicht darüber hinwegtäuschen, dass es noch nicht einmal ein halbes Dutzend Alben sind, die durchweg in den 1970er-Jahren veröffentlicht wurden und Ruf wie Bedeutung der Band ausmachen: »Fragile«, »Close to the Edge«, »Tales from topographic Oceans«, »Relayer«, zudem das Triple-Live-Album »Yesshows« . Diese vier, fünf Alben stellen Yes in die Reihe der bedeutenden Progressive-Rockbands, neben Genesis, Pink Floyd und Emerson, Lake and Palmer. Was Progressive Rock ist, ließe sich mit »Close to the Edge« allein beschreiben. Was den Beatles mit »Abbey Road« 1969 eher zufällig passiert war, was andere Bands mit mehr oder weniger überzeugenden Rückgriffen auf die Mittel der klassischen Musik versucht hatten, gelang Yes im Verein mit Eddie Offord mit den Mitteln des Rock: Das Schaffen einer offenen Form, in der Stilmittel der traditionellen Kunstmusik ebenso ihren Platz hatten wie der souveräne Gebrauch aktueller Musikelektronik. Die Band hatte sich mit »Close to the Edge« vom Song gelöst und ausformuliert, was bei »Fragile« schon schemenhaft erkennbar gewesen war. Schon das wenig später veröffentlichte Doppelalbum »Tales from topographic Oceans« zeigte eklatant die Grenzen dieses Verfahrens. »Close to the Edge« wurde für Jahrzehnte das Vorbild ähnlicher Schallplattenwerke zahlloser anderer Bands, genannt seien nur die Namen Dream Theater, Porcupine Tree und Spock’s Beard.

Schnell war der ebenso griffige wie irreführende Begriff Symphonic Rock für diese Musik geprägt – keines dieser Schallplattenwerke hat etwas mit der überkommenen Symphonie zu tun -, doch steckte auch ein wahrer Kern in ihm: Yes versuchten – eingestanden oder nicht – mit ihren Klanggebäuden die Klangwelt des Symphonieorchesters nachzuahmen, Hammond-Orgel, Synthesizer und Mellotron waren der Ersatz für das Orchester.

Zum Teil war dies nur möglich, weil sich in dieser Band herausragende Instrumentalisten zusammengefunden hatten, wie es sie bis dahin vereinzelt in vielen Bands gegeben hatte, nicht aber in einer allein. Sich gegenseitig zu Höchstleistungen antreibend, zeigten Anderson, Howe, Wakeman, Squire, Bruford und später White, dass Rockmusik instrumentaler Virtuosität weiten Raum bieten konnte. Alle Instrumentalisten dieser Band setzten für ihr Instrument Maßstäbe, die fortan beachtet werden mussten. Manche Instrumente, wie etwa der Minimooog-Synthesizer und der Rickenbacker-Bass wurden zu Emblemen des Progressive Rock.

Wie weit sich aber diese Musik auch von den Bedürfnissen und Erwartungen vieler Rockhörer entfernt hatte, zeigte sich Mitte der 1970er-Jahre, als die Punks der britischen Vororte mit ihrer Musik gerade gegen diese ausgeklügelte und höchst artifizielle Musik Stellung bezogen. Nicht wenige Rockhörer sahen in ihr eine selbstgefällige Zurschaustellung instrumentaler Omnipotenz. Manch einer zweifelte an, dass es sich bei »Yes Music« um genuine Rockmusik handelte. Wieder anderen wurde die Musik von Yes – wie die vieler anderer Bands des Progressive Rock – zum Ersatz für die etablierte und gesellschaftlich anerkannte Kunstmusik.

Die Musiker von Yes selbst schienen unschlüssig, was auf Kompositionen wie »Close to the Edge« folgen sollte. »Tales from topographic Oceans« war der falsche Weg des immer mehr, immer größer, immer länger, »Relayer« nur eine vage Möglichkeit, mit der Integration von Elementen des Jazz einen Ausweg aus der Sackgasse zu finden. Die Zeit nahm den Musikern die Entscheidung ab: In den ausgehenden 1970er-Jahren gab es für programmatische Musik, wie sie Yes in der ersten Hälfte der 1970er-Jahre entwickelt hatte, keinen Markt und somit keinen Platz mehr.

Auszeichnungen

1984 Grammy

Diskografie

Yes (1969)
Time and a Word (1970)
The Yes Album (1971)
Fragile (1972)
Yessongs (1973)
Close to the Edge (1972)
Tales from Topographic Oceans (1974)
Relayer (1974)
Going for the One (1977)
Tormato (1978)
Drama (1980)
Yesshows (1980)
90125 (1983)
9012 Live: The Solos (1985)
Big Generator (1987)
Anderson Bruford Wakeman Howe (1989)
Union (1991)
An Evening of Yes Music Plus… (1993)
Talk (1994)
Keys to Ascension (1996)
Keys to Ascension (1996; Live-Aufnahme)
Keys to Ascension 2 (1997)
Keys to Ascension 2 (1997; Live-Aufnahme)
Keys to Ascension Volume 1 & 2 (1997)
Something’s Coming / Beyond and Before (1997; Aufnahmen von 1969/70)
Open Your Eyes (1997)
The Ladder (1999)
House of Yes – Live from House of Blues (2000)
Magnification (2001)
The Word Is Live (2005; Live-Aufnahmen aus den 1970er- und 1980er-Jahren)

Literatur

Martin, Bill: Music of Yes – Structure and Vision in Progressive Rock; Chicago/LaSalle 1996

Weblinks

www.yesworld.com (Offizielle Website der britischen Rockband Yes)
members.aol.com/yesfamily/tree/coverstories.html (Website mit Erläuterungen zu den Platten- und CD-Covers)