Philly-Sound

Philly-Sound, auch Philadelphia-Sound, löste in den 1970er-Jahren für einige Jahre den von der Firma Motown Records geprägten Soul ab und stellt den Übergang zur Disco-Musik dar.

Seinen Namen erhielt der Philly-Sound von dem in Philadelphia (Pennsylvania) ansässigen Sigma Sound Studio, in dem später David Bowie sein Album »Young Americans« (1974) aufnahm. Kennzeichen des Stils sind ein obligates, den Background der Aufnahmen grundierendes Streicherensemble und eine besondere Spielweise der Hi-Hat, deren Klang zudem stark in den Vordergrund gemischt wurde. Die Hi-Hat wurde dabei in geöffnetem Zustand angeschlagen und direkt danach geschlossen. Das ständig präsente Zischen der Hi-Hat stand in auffälligem Kontrast zu den eher weichen, chorischen Vokalklängen.

Der von den Produzenten Kenneth Gamble (* 1943) und Leon Huff (* 1942) kreierte Typus schwarzer Tanzmusik löste bald den klassischen Soul ab. Einige wenige Jahre lang war der Philly-Sound sehr beliebt und wurde von zahlreichen Produzenten nachgeahmt. Huff und Gamble gründeten Anfang der 1970er-Jahre mit Philadelphia International Records ihr eigenes Label.

Unter dem Kürzel MFSB (Mothers, Fathers, Sisters, Brothers) firmierte eine Gruppe von Musikern, die stets für die Aufnahmen herangezogen wurden und die Arrangements Thom Bells einspielten; später veröffentlichte die Gruppe auch unter eigenem Namen Platten, beispielsweise 1974 »TSOP – The Sound Of Philadelphia«. Bekanntere Namen des Philly-Sounds waren aber etwa The Intruders, The O’Jays, The Three Degrees sowie die Sänger Lou Rawls und Teddy Pendergrass. Ein Ausläufer des Philly-Sounds war die Musik, die in der Bundesrepublik unter dem Etikett »Munich Sound« produziert wurde; idealtypisch ist der Munich Sound mit »Fly Robin Fly« (1975) von dem Vokaltrio Silver Convention dargeboten worden.