P.P. Arnold

Arnold, P.P., eigentlich Patricia Ann Cole, amerikanische Soulsängerin, * Los Angeles (Kalifornien) 3.10.1946.

Biografie

P.P. Arnold wuchs in einer Familie auf, in der Religion und damit der Gospelgesang eine große Rolle spielten. Arnold dachte allerdings keineswegs an eine professionelle Karriere als Sängerin. 1965 fragte sie die Freundin ihres Bruders, Maxine Smith, ob sie mit ihr und ihrer Freundin Gloria Scott an einem Casting für die Ike & Tina Turner Show teilnehmen wolle. Ike Turner suchte für die Ikettes, das in seiner Show mit Tina Turner obligate Vokaltrio, Sängerinnen. Die drei erhielten den Zuschlag und gingen mit der Show der Turners bis Mitte der 1960er-Jahre auf Tour.

Als die Ike & Tine Tuner Show gemeinsam mit den Rolling Stones eine Europa-Tournee durchführte, war Mick Jagger so angetan von Arnolds Talent, dass er dem Manager der Rolling Stones, Andrew Loog Oldham vorschlug, die Sängerin für dessen neu gegründetes Label Immediate Records zu verpflichten. Bei Immediate Records veröffentlichte die Sängerin einige Singles und LPs, sang aber auch für andere Künstler des Labels, etwa The Small Faces, Background. Für ihre Konzertauftritte hatte sie zunächst die Band The Blue Jays um den amerikanischen Soulsänger Ronnie James verpflichtet, engagierte aber bald einige britische Musiker für eine eigene Band, darunter den Organisten und Pianisten Keith Emerson, den Bassisten Lee Jackson und den Gitarristen David O’List. Die drei Musiker gründeten gemeinsam mit dem Schlagzeuger Brian Davison bald eine eigene Band, The Nice. Arnold und ihre Band tourten u. a. mit The Who, Jimi Hendrix, Blind Faith und David Bowie durch Großbritannien und hatten mit Songs wie »The first cut is the deepest«, »Angel of the morning« und »(If you think you’ re) Groovy« auch einige kleinere Hits.

1969 ging Immediate Records in Konkurs. Arnold fand bei Robert Stigwoods Label RSO (Robert Stigwood Organisation) Records zwar eine Heimat für ihre Musik, konnte schließlich aber nur zwei Singles bei RSO veröffentlichen; immerhin hatte Barry Gibb von den Bee Gees diese Singles produziert.
Wenn P.P. Arnold auch fest im britischen Musikgeschäft verwurzelt war, so war es für sie keineswegs einfach, von der eigenen Musik leben zu können. 1970 ließ sie sich für das Musical »Catch my soul« engagieren, sang weiterhin Background für andere Musiker, so etwa für die Produktionen von Nick Drake und Eric Clapton, baute daneben aber aus den Trümmern von Ashton, Gardener and Dyke auch wieder eine eigene Band auf – zu der auch Steve Howe, später Gitarrist bei Yes, gehörte. Musiker des späteren Progressive Rock – Keith Emerson, Steve Howe – hatten in ihren Bands gespielt, nun machte Anfang der 1970er-Jahre gerade der Progressive Rock ihr zu schaffen, denn in Großbritannien gab es zu dieser Zeit nur wenig Raum für Soul und Rhythm´n´Blues. P.P, Arnold kehrte in die USA zurück. Persönliche Schicksalsschläger verhinderten es aber, dass sie ihre Karriere dort fortsetzen konnte.

1978 schien sich das Blatt zu wenden: Barry Gibb wollte aus den früheren Aufnahmen eine LP machen, mit Andy Gibb spielte sie eine Cover Version des Carole-King-Klassikers »Will you love me tomorrow« ein und sie versuchte sich als TV-Schauspielerin – nichts von alledem sicherte ihr nachhaltigen Erfolg.
1982 kehrte sie nach Großbritannien zurück, sang wieder Background, jetzt für Steel Pulse, Kane Gang, Billy Ocean und Boy George, und nahm ein Engagement für das Musical »Starlight Express« an. Im Laufe der 1980er-Jahre arbeitete sie für eine Vielzahl von Bands als Background-Sängerin, so für Roger Waters, Peter Gabriel, Primal Scream, The KLF und The Beatmasters, später auch für Oasis und Ocean Colour Scene. Ab Mitte der 1980er-Jahre wandte sie sich verstärkt dem Musical-Bereich zu. Auch in den USA hatte man die Sängerin nicht vergessen, Lyle Lovett etwa holte sie für seine Alben.

Nach vielen Jahren der Arbeit für andere veröffentlichte sie 2007 mit »Five in the afternoon« auch wieder ein eigenes Album.

P.P. Arnold ist innerhalb der britischen Musikszene eine feste Größe. In den 1960er-Jahren trug sie wesentlich zur Professionalisierung der britischen Rockmusik bei, aus ihren Bands sind Stars wie Keith Emerson und Steve Howe hervorgegangen und Alben wie »Kafunta« (1968) gehören zum Kanon der wichtigen britischen Rockplatten der 1960er-Jahre. Sie selbst zeigte sich – etwa auch mit »Kafunta« – als eine äußerst vielseitige Sängerin, die auch so eigenwilligen Songs wie »Elanor Rigby« von den Beatles eine eigene Note zu geben verstand.

Diskografie

The First Lady of Immediate (1967)
Kafunta (1968)
Five in the afternoon (2007)