Boutique Amp

Boutique Amp, zusammengesetzt aus Boutique, französisch für »Geschäft, Kaufladen« und Amp, englisch Abkürzung von englisch amplifier für »Verstärker«, hochwertige, ausschließlich mit Röhren aufgebaute Verstärker, die von meist relativ kleinen Firmen in geringen Stückzahlen gebaut werden; die Verstärker sind hinsichtlich ihrer Konstruktion meist an ältere, industriell hergestellte Verstärker von Unternehmen wie Fender, Marshall und Vox angelehnt oder sogar exakte Kopien bestimmter Verstärkermodelle dieser Firmen.

Unter Gitarristen, weniger unter Bassisten, ist die Ansicht verbreitet, dass mit Röhren aufgebaute Verstärker grundsätzlich »besser« klingen als etwa mit Transistoren aufgebaute Verstärker, und unter diesen die alten, »klassischen« Verstärker noch einmal »besser« klingen. Daher hat sich seit etwa den 1980er-Jahren ein Markt für alte Verstärker herausgebildet, auf dem die klassischen, in den 1950er- und 1960-Jahren erhältlichen Verstärker zu extrem hohen Preisen gehandelt werden. Parallel dazu wurde die Reparatur und Renovierung dieser Verstärker zu einem lukrativen Geschäft.

Da die Schaltungen dieser Verstärker bekannt sind, haben sich kleinere Firmen, manchmal Ein-Mann-Unternehmen, darauf spezialisiert, diese Verstärker nachzubauen. Um diese Nachbauten wiederum explizit als Boutique-Verstärker anbieten zu können – und entsprechend hohe Preise verlangen zu können, werden bestimmte Maßstäbe eingehalten. So werden nur hochwertige Bauteile, wenn möglich auch NOS-Bauelemente, verwendet, es werden die Röhren akribisch ausgewählt und die Schaltungen vornehmlich in Handarbeit verdrahtet (Point-to-Point-Wiring). Hinsichtlich ihres Aussehens sind die Gehäuse dieser Verstärker an die klassischen Vorbilder wenigstens angelehnt, oft genug aber auch nahezu exakte Kopien. Grob lassen sich Boutique Amps nach der Schaltung einteilen: Verstärker mit zwei oder vier EL 34-Röhren sind eher »britisch«, weil an die Geräte von Marshall, Hiwatt oder Sound City angelehnt, gleiches gilt für Verstärker mit vier EL 84 Röhren – wird für die Hochspannungsversorgung ebenfalls eine Röhre verwendet, ist es ein mehr oder weniger exakter Nachbau eines AC 30-Verstärkers von Vox –, als »amerikanisch« gelten Verstärker, in die amerikanische Röhren beispielsweise vom Typ 6L6GC eingebaut sind.

Die Hersteller der Boutique-Verstärker sind nicht daran interessiert, große Stückzahlen zu produzieren – das wäre aufgrund der favorisierten Herstellungsweise auch nur schwer möglich –, denn die Verstärker sollen auch das Bild von »Seltenheit« und »Individualität« erzeugen. Oft werden diese Firmen nur dadurch einem größeren potentiellen Käuferkreis bekannt, weil bekannte Rock-Gitarristen einen dieser Verstärker benutzen.

Der Trend zu Boutique-Verstärkern wurde von den großen Firmen beobachtet und schließlich auch aufgegriffen, indem Replicas älterer Verstärker ins Programm genommen oder neue Reihen von Verstärkern aufgelegt wurden, bei deren Herstellung die Maßstäbe der Hersteller von Boutique-Verstärkern übernommen und eingehalten wurden.

Hersteller von Boutique-Verstärkern sind Bad Cat, Budda, Cornell, Dr. Z. Amplification, Matchless, Victoria, Louis Electric, Dumble, Trainwreck Circuits und weitere mehr.