Decca Tree

Decca Tree, zusammengesetzt aus Decca von »Decca Records« und englisch tree für »Baum«, auch Decca-Dreieck, besondere Aufstellung von drei Mikrofonen zur Stereo-Aufnahme; der Decca Tree wurde Anfang der 1950er Jahre von einer Ingenieur-Gruppe um Arthur Haddy und Kenneth Ernest Wilkinson der britischen Schallplattenfirma Decca Records entwickelt; erste kommerziell verwertete Aufnahmen unter Einsatz der Technik wurden 1958 veröffentlicht.

Für den Decca Tree werden drei Mikrofone mit Kugelcharakteristik verwendet; auch der Einsatz von Mikrofonen mit Nierencharakteristik ist möglich, jedoch weniger gebräuchlich. Die drei Mikrofone werden – von oben betrachtet – auf die Eckpunkte eines gedachten gleichschenkligen Dreiecks gesetzt; die Basis des Dreiecks hat eine Länge von etwa zwei Metern, die Höhe eine von etwa 1, 5 Meter. Die endgültigen Maße ergeben sich aber aus Aufnahmeraum wie aus der Art und Größe des aufzunehmenden Klangkörpers; es finden sich in der Literatur beispielsweise auch Aufstellungen in Form eines gleichseitigen Dreiecks. Dieses Dreieck – real besteht es entweder aus einer auf einem Stativ sitzenden Verstrebung, an der die Mikrofone befestigt sind, oder aber aus drei Stativen mit je einem Mikrofon – wird in einer Höhe von etwa drei bis dreieinhalb Metern über dem Klangkörper angeordnet; dabei müssen die drei Mikrofonen sich nicht unbedingt in einer Eben befinden. Das gesamte Dreieck ragt also etwas in die Aufstellung des Klangkörpers hinein.
Die Aufstellung und schlussendliche Anordnung eines Decca Trees erfordert einige Erfahrung wie die gesamte Konstruktion überhaupt nicht auf akustischen Berechnungen beruht, sondern auf Experimenten. Eingesetzt wurde und wird der Decca Tree besonders bei der Aufnahme von großen Klangkörpern – Symphonie-Orchester, Chor -, doch ist auch dessen Einsatz bei kleinen Klangkörpern, etwa einem Streichquartett möglich. Die Mischung der Ausgangssignale der Mikrofone gestaltet sich einfach: Die Ausgangsspannung des linken Mikrofons wird vollständig dem linken Aufnahmekanal zugeordnet, die des rechten Mikrofons dem rechten Kanal; die Ausgangsspannung des Mitten-Mikrofons wird beiden Aufnahmekanälen zugeführt. In der Praxis sind häufig weitere Mikrofone notwendig, etwa, um beteiligte Solisten hervorzuheben. Ein Decca Tree ermöglicht Aufnahmen, die einerseits die Forderung nach einer klaren Rechts-Links-Abbildung erfüllen, andererseits auch die Staffelung des Klangkörpers in der Tiefe.
Die Technik, die wegen ihres geringen Aufwandes – drei Mikrophone können genügen – und ihres exzellenten Ergebnisses wegen zu einem Standard wurden, erfuhr durch mehrkanalige Aufnahmen, etwa im 5.1- und im 7.1-Format, geradezu eine Renaissance und spielt daher besonders in der Aufnahme von Filmmusik eine große Rolle.



Literatur

Görne, Thomas: Mikrofone in Theorie und Praxis; Aachen 1994



Weblink

http://www.uni-koeln.de/phil-fak/muwi/ag/tec/deccatree.pdf (Veröffentlichung des Musikwissenschaftlichen Instituts der Universität Köln zum Decca Tree)