Hiwatt

Hiwatt, britischer Hersteller von Verstärkern für elektrische Gitarren und Bässe, um 1966 von David Reeves in Morden (London, England) gegründet.

David Reeves hatte Ende der 1950er-Jahre eine technische Ausbildung im Audiobereich absolviert, arbeitete danach für Marconi Electronics, dann für den Röhrenhersteller Mullard. In seiner Freizeit reparierte er Geräte der Unterhaltungselektronik und experimentierte mit Verstärkerschaltungen. Als die Musiker der örtlichen Rockband The Hylights ihre Verstärker zu ihm zur Reparatur brachte, war er überzeugt, bessere Verstärker bauen zu können. Nach der Band benannte Reeves seine 1966 gegründete Firma, obwohl er schon 1964 den Plan gefasst hatte, eine eventuell von ihm betriebene Firma Hiwatt zu nennen. Als Mullard ihn 1967 entließ, verwendete er die Abfindung von etwa 800 englischen Pfund für den Ausbau seiner Firma. Im selben Jahr nahm er einen Auftrag von Ivor Arbiter an, für dessen Musikinstrumentegeschäft Sound City eine Serie von Verstärkern unter dem Namen »Sound City« zu bauen, technisch waren diese Verstärker mit seinen nunmehr unter dem Namen Hiwatt angebotenen Verstärkern identisch. Das Honorar für diese Auftragsarbeit ermöglichte es ihm aber, seine Verstärkerbau weiter zu professionalisieren. Die Verstärker, bis dahin äußerlich eher denen von Vox oder Selmer ähnlich, passte er im Design an die typischen britischen Verstärker von Marshall an, auch die unter dem Namen Sound City angebotenen Geräte hatten im wesentlichen dieses Aussehen. Arbiter war mit der Konkurrenz keineswegs einverstanden und zog vor Gericht, unterlag aber.
Schon Ende der 1960-Jahre hatte Reeves Firma eine so große Reputation, dass Pete Townshend von The Who sich für die Verstärker interessierte. Seinerzeit stets auf der Suche nach leistungsstarken Verstärkern, war ihm die Bass-Verstärkeranlage von Glenn Cornick, Bassist bei Jethro Tull, aufgefallen. Reeves hatte für Cornick die üblicherweise 100 Watt leistenden Verstärker überarbeitet, so dass sie nunmehr 200 Watt an die Lautsprecher gaben. Townshend kaufte Verstärker von Hiwatt, die umgehend unter Musikern sehr beliebt wurden und neben den Geräten von Marshall für einige Jahre bei fast jedem Rockkonzert auf der Bühne standen. Emerson, Lake & Palmer, Pink Floyd, Manfred Mann und The Moody Blues beispielsweise benutzten Anfang der 1970er-Jahre Hiwatt-Verstärkeranlagen, Dave Gilmour sogar noch in den 1990er-Jahren. In jüngerer Zeit sind es etwa Musiker von Arctic Monkeys, Bleech, Cold Chisel, Colplay, Crippled Black Phoenix und Silverchair, dei Hiwatt-Verstärker besitzen.
Um 1980 geriet Hiwatt in finanzielle Turbulenzen, nicht zuletzt aufgrund persönlicher Schicksalsschläge, die Reeves hinnehmen musste; er starb 1981. Die Firma wurde zunächst unter Rechtsaufsicht gestellt, dann übernahmen einige Angestellte Hiwatt und stellten unter dem Namen weiter Verstärker her. Da Rechnungen nicht bezahlt werden konnten und wichtige Geschäftspartner ihre Lieferungen einstellten, wurde das Unternehmen 1984 geschlossen, der Namen an Music Ground in London verkauft; Music Ground, aktiv im Vintage-Bereich, bietet weiterhin unter dem Namen Hiwatt Verstärker, Combos und Lautsprecherboxen an, die im Aussehen den Geräten der 1970er-Jahre gleichen.
Reeves Maximen, für seine Röhrenverstärker ausschließlich Teile von bester Qualiät zu verwenden, die Verstärker weitgehend in Handarbeit zu bauen, für die Lautsprecherboxen Birkensperrholz einzusetzen und diese nach den Regeln des Tischlerhandwerks solide aufzubauen, sind bis heute gültig und werden etwa im Bau von so genannten Boutique-Geräten beherzigt, selbst wenn Reeves selbst in den späten 1970er-Jahren auch Platinen verwendete, und der Ruf der Verstärker ein wenig litt. Die Schaltungen der Hiwatt-Verstärker sind klassisch, in den Vorstufen Doppel-Trioden vom Typ ECC 83, in den Endstufen je nach Leistung zwei oder vier Röhren vom Typ EL 34 (50 bzw. 100 Watt); in jüngeren, leistungsschwächeren Verstärkern werden auch Endstufenröhren vom Typ EL 84 eingesetzt. Bekannte Verstärker-Typen der Firma sind etwa der DR 103 und der DR 112, außerdem der Lead 100 und der Custom 100.


Diskografie

The Who: Live at Leeds (1970)


Weblinks

http://hiwatt.co.uk (Offizielle Website des britischen Verstärker-Herstellers Hiwatt)
http://www.musicground.com (Website der Firma Music Ground, Eigner des Namens Hiwatt)
http://www.cornick.org (Website zu dem Bassisten Glenn Cornick; mit einigen Fotos, die Hiwatt-Verstärker zeigen.)
http://hiwatt.org (Website mit detallierten Informationen zu der britischen Verstärker-Firma Hiwatt)


Literatur

Pittman, Aspen: The Tube Amp Book; Deluxe Revisited Edition 2003