Marshall Amplification

Marshall Amplification, britischer Hersteller von Musikelektronik, vornehmlich mit Röhren bestückten Gitarren- und Bassverstärkern; die Firma produziert ihre Geräte in Bletchley, Milton Keynes.

Jim Marshall, eigentlich James Charles Marshall, (* Kensington 29.7. 1923, † London 5.4. 2012) hatte sich zunächst als Stepptänzer und Sänger in einer Big Band betätigt, dann auch als Schlagzeuger und Schlagzeuglehrer, bevor er 1960 in London einen Musikinstrumentenladen eröffnete. Mit Beginn der Beat-Ära Anfang der 1960er-Jahre kamen auch junge Rockmusiker in seinen Laden, um ihre Gitarrenverstärker reparieren zu lassen. Marshall lernte auf diese Weise etwa die Gitarristen Ritchie Blackmore, später bei Deep Purple und Rainbow, und Pete Townshend kennen, Kopf der Londoner Gruppe The Who. Townshend animierte ihn schließlich dazu einen Verstärker mit bestimmten Eigenschaften zu bauen, der den Ansprüchen des jungen Gitarristen genügte. Dieser erste Verstärker basierte im Wesentlichen auf dem Bassman-Verstärker der amerikanischen Gitarrenfirma Fender. Der Verstärker, der die Grundlage für Marshalls Verstärker-Reihe JTM 45 bildete, unter Musikern wegen des Materials seiner Reglerplatte als »Plexi« bekannt, war der Anlass, 1962 die Firma Marshall Amplification zu gründen. Die lauten und robusten Verstärker Marshalls, durchweg mit Röhren bestückt, waren bald so erfolgreich, dass sie auf beinahe jeder Konzertbühne der Welt zu sehen waren. Kontinuierlich entwickelte Marshall seine Verstärker nach den Wünschen der Rockmusiker weiter, wobei vor allem die Ausgangsleistung der Geräte erhöht wurde: Galten Anfang der 1960er-Jahre noch 15 bis 18 Watt als ausreichend, so war Mitte der 1960er-Jahre der 100-Watt-Verstärker Standard. Als dann der amerikanische Gitarrist Jimi Hendrix in der zweiten Hälfte der 1960er-Jahre mehrere so genannte Full Stacks – Kombinationen aus 100-Watt-Verstärker und zwei mit je vier Lautsprechern der britischen Firma Celestion bestückten Boxen – zusammenschaltete, schuf er damit eine Verstärker-Lautsprecher-Kombination, die bis heute als Standard gilt, auch wenn viele Gitarristen einen Half Stack – also Verstärker nebst einer Lautsprecherbox – als ausreichend ansehen.

Marshall Amplification produzierte seit 1962 ein Vielzahl von Verstärkern, Lautsprecherboxen und Combo-Verstärkern, neben den Geräten für die Verstärkung von Gitarren auch Bass-Verstärker, mehrkanalige Verstärker, mit Transistoren bestückte Verstärker und Effektgeräte. Die Firma schreckte auch vor jüngeren technischen Entwicklungen wie der Virtual-Modeling-Technik nicht zurück, die es ermöglicht aufgrund von Samples jeden beliebigen Verstärker nachzuahmen – mit Halbleitern ausgerüstete Verstärker können also auch die alten Röhrengeräte Marshalls imitieren. Gitarristen schwören allerdings auf den Klang möglichst alter Marshall-Verstärker, und der Plexi ist als gut erhaltenes Exemplar ein gesuchtes Sammlerstück.

Der besondere Klang der Verstärker Jim Marshalls beruht auf der Verwendung europäischer Röhrentypen, insbesondere der Vorstufen- und Phasenumkehrstufenröhre ECC 83 und der Endröhre EL 34; europäische Röhren klingen nach Auffassung vieler Gitarristen aggressiver und nicht so »warm« wie Röhrentypen amerikanischer Produktion.

Der grundsätzlich relativ simple Aufbau der Marshall-Verstärker führte zu zahllosen Nachbauten, beinahe jeder Hersteller von Gitarrenverstärkern hat ein oder mehrere Modelle im Programm, die als Kopie eines Marshall-Verstärkers gelten können. Akribische Nachbauten der historischen Verstärker Marshalls sind als so genannte Boutique-Verstärker in winzigen Auflagen verfügbar.

Marshall-Verstärker wurden von nahezu jedem Rockgitarristen verwendet, der Name der Geräte mit dem markanten weißen Marshall-Schriftzug ist aber besonders etwa mit Jimi Hendrix, Eddie van Halen, Ritchie Blackmore, Gary Moore, Jeff Beck, Slash, Joe Satriani, Yngwie Malmsteen und zahllosen anderen verbunden; der Hardrock von Deep Purple, Led Zeppelin und Black Sabbath basierte auf dem Klang der Verstärker, die bis heute an Popularität nicht verloren haben.

Literatur

Doyle, Michael: A History of Marshall: The Illustrated Story of the Sound of Rock; Milwaukee 1993
Pittman, Aspen: The Tube Amp Book; San Francisco 2003

Weblink

www.marshallamps.com (Offizielle Website des britischen Verstärker-Herstellers Marshall Amplification)