Mastering

Mastering, auch Mastern, von englisch master für »meistern«, letzter Arbeitschritt in der Musikproduktion bevor das Masterband, beziehungsweise die Master-Datei als Ergebnis des Masterings an die Produktion des eigentlichen Tonträgers übergeben wird.

Zu Zeiten der Tonaufnahme auf Magnetband war das Mastering vor allem ein technischer Vorgang, bei dem die fertige Aufnahme vom Tonband auf die Lackfolie oder – beim Direct metal Mastering – auf eine Kupferplatte übertragen wird. Dabei wird zuvor das Masterband auf Fehler jeglicher Art geprüft. Das Masterband stellte seinerzeit die endgültig gewollte Fassung der Musik dar, so dass es beim Mastering die zentrale Aufgabe war, diese Aufnahme ohne Qualitätsverlust auf die Platte zu schneiden.

Etwa seit Mitte der 1960er-Jahre hat sich die Bedeutung des Masterings einerseits verschoben, andererseits erhielt das Mastern als Teil des gesamten Produktionsprozesses auch künstlerische Bedeutung, nicht zuletzt aufgrund der Notwendigkeit, Musik für verschiedene Tonträger, verschiedene Wiedergabeanlagen und verschiedene Wiedergabe-Situationen aufzubereiten. Während früher der Maßstab für die Wiedergabequalität die bei der Abmischung zur Verfügung stehende Abhöranlage war – meist also eine qualitativ hochwertige Verstärker-Lautsprecher-Kombination –, werden heute beim Mastering auch einfache Stereoanlagen, Kopfhörer, transportable Audio-Geräte, Auto-Radios und komprimierte Audio-Formate wie MP3, OGG Vorbis und weiter mehr einbezogen. Zudem erfordert etwa eine Stereo-Mischung ein anderes Mastering als eine 5.1-Abmischung.

Beim Mastern wird zunächst der meist als Datei gelieferte Mix auf technische Fehler untersucht; hierbei muss der Datenträger – meist CD-ROM statt Audio-CD – schon bestimmte Vorgaben erfüllen, je nachdem, für welche Art Tonträger er gedacht ist: Für Audio-CDs beispielsweise muss die Sample-Rate 44,1 kHz betragen, für Audio-DVD oder Video-DVD 48 kHz oder 96 kHz. Sollten Fehler vorhanden sein, kann dies auch bedeuten, die letzte Mischung wiederholen zu müssen. Anschließend wird die Aufnahme hinsichtlich Aussteuerung und Klang überprüft und für den jeweiligen Tonträger vorbereitet. Dabei sind die Absichten des Produzenten wie unter Umständen der an der Aufnahme beteiligten Musiker zu berücksichtigen; nicht wenige Produzenten schicken ihre Mischungen immer an denselben Mastering-Ingenieur. Eine der wichtigsten seiner Aufgaben ist es, die oft in einem größeren Zeitraum zustande gekommenen Aufnahmen und Mischungen zu vereinheitlichen, wenn sie gemeinsam auf einem Tonträger veröffentlicht werden sollen.

Das Mastering, das heute von digitaler Aufnahmetechnik bestimmt ist, wobei häufig komplett im Computer entstandene Musik das Resultat ist, unterliegt natürlich auch gewissen Moden. In jüngere Zeit spielt beispielsweise die so genannte Lautheit eine große Rolle, die mit großzügigem Einsatz von Kompressoren erreicht wird, mitunter mit dem zweifelhaften Ergebnis, dass bestimmte Instrumente ihren Klangcharakter verlieren.

Für das Mastering werden bestimmte Software, aber auch Hardware benötigt. Zwar gibt es eine Reihe von Plug-ins, die etwa mit einer DAW zusammenwirken können, doch wird beim professionellen Mastering auch auf Geräte zurückgegriffen, die es nicht als Plug-in gibt. Auch werden Computer häufig um DSP-Karten und spezialisierte externe A/D-Wandler ergänzt. Das eigentliche Mastern – nämlich die Übertragung der fertig »gemasterten« Audio-Dateien steht dann am Anfang der eigentlichen Tonträger-Herstellung. In sofern entspricht der heutige Sinngehalt des Mastering nicht mehr dem, den es noch in den 1960er-Jahren hatte.

Als Re-Mastering wird ein Vorgang bezeichnet, bei dem vorhandene und lässt veröffentlichte Aufnahme eben dem beschriebenen Prozess unterzogen werden. Das Ergebnis eines Re-Masterings ist nicht unbedingt »besser« oder »schlechter«, oft aber anders, wie man etwa an den verschiedenen Ausgaben von Beatles-Alben ablesen kann. Von den Marketing-Abteilungen der Schallplattenfirmen wird das Re-Mastering auch als Teil abermaliger Vermarktung längst veröffentlichter und bekannter Tonträger rigoros eingesetzt.

Der gesamte Vorgang des Mastering wie auch des Re-Masterings wirft natürlich musik-philosophische Fragen auf, vorrangig natürlich die, in welchem Zeitpunkt ein Werk abgeschlossen ist, oder ob ein Werk – besser: Schallplatten-Werk – der Rock- oder Popmusik grundsätzlich als offenes Werk betrachtet werden muss. Vereinfacht gesagt: Wann ist ein Rock-Song »fertig«? Wie soll er gehört und verstanden werden? Vielen Rock- und Popmusikern mag diese Frage mehr oder weniger gleichgültig sein, doch war beispielsweise Frank Zappa sich der Problematik, wie nämlich seine Musik zu hören sei, sehr bewusst: Auf seiner LP »Ship Arriving Too Late To Save A Drowning Witch« (1982) gibt er detailliert Hinweise, mit welchen Lautsprechern und welchen Verstärkereinstellungen die Platte zu hören sei.

Diskografie

The Beatles: Abbey Road (1969; LP)
The Beatles: Abbey Road (1987; erste CD-Fassung, für CD remastered)
The Beatles: Abbey Road (2009; zweite CD-Fassung, erneut Re-mastered)
Frank Zappa: Ship Arriving Too Late To Save A Drowning Witch (1982)

Literatur

Halbscheffel, Bernward: Zur Ontologie der Rockmusik, in: International Review of the Aesthetics and Sociology of Music, Nr. 14/1; Zagreb 1983
Tischmeyer, Friedemann: Audio-Mastering mit PC-Workstations; Santa Cruz, Kalifornien 2008