MIDI

MIDI, Abkürzung für englisch musical instrument digital interface, seit 1982 Bezeichnung für ein international genormtes elektronisches System, bei dem die Klangsignale (Steuersignale) einzelner digitaler Instrumente (Synthesizer, Effektgeräte, Drumcomputer, Soundsampler, digitale Keyboards usw.) über eine spezielle Schaltung (MIDI-Interface) zentralisiert werden.

Mithilfe eines Computers lassen sich bis zu 16 verschiedene Informationskanäle verwenden und unmittelbar zu einem z. B. orchestralen Gesamtklangbild synchronisieren. Es sind drei verschiedene Betriebsarten möglich: Der sogenannte Omnimode erlaubt das Senden von Daten auf dem ersten der 16, aber den Empfang auf allen Kanälen, Polymode ermglicht es, Kanäle Sendern und Empfängern eindeutig zuzuweisen und im Monomode ist es möglich, jeder Synthesizerstimme einen eigenen Kanal zu geben.Technisch handelt es sich bei der MIDI-Schnittstelle um eine serielle Schnittstelle mit einer Übertragungsrate von 31,25 kBaud. Daher werden auch die Töne eines auf einer MIDI-fähigen Tastatur angeschlagenen Akkordes nicht gleichzeitig, sondern nacheinander ausgegeben, aufgrund der Ausgabegeschwindigkeit aber wieder als Akkord gehört. Geräte, die MIDI-Daten ausgeben können, verfügen über eine MIDI-Out-Buchse (fünfpolige Diodenbuchse), die, die Daten empfangen, und über eine MIDI-In-Buchse; eine MIDI-Through-Buchse schleift den Datenstrom lediglich durch. Die meisten Geräte sind mit wenigstens einer MIDI-In- und einer MIDI-Out-Buchse ausgestattet; letztere ist in der überwiegenden Zahl der Fälle aber nur eine MIDI-Through-Schnittstelle.
General MIDI ist die Bezeichnung für eine Verabredung einiger Hersteller von Synthesizern, die Reihenfolge von voreingestellten Klängen (Presets) stets gleich zu halten, etwa den Klavierklang auf dem ersten von 124 möglichen Plätzen; dies gewährleistet den problemlosen Austausch von MIDI-Dateien von Instrumenten verschiedener Hersteller.
Da es sich bei MIDI um eine gewöhnliche serielle Schnittstelle handelt, kann sie auch für andere als musikalische Zwecke benutzt werden. Welche Befehle grundsätzlich verwendet werden können (Tonhöhe, Tondauer, Wahl des Klangprogramms usw.), ist im MIDI-Protokoll festgehalten; nicht jedes MIDI-fähige Gerät unterstützt allerdings jeden im MIDI-Protokoll genannten MIDI-Befehl.
Die Idee eines einheitlichen Standards des Datenaustauschs zwischen – zunächst – Synthesizern entwickelte im Jahre 1981 die Firma Sequential Circuits, deren Gründer Dave Smith das Konzept als USI, als Universal Interface vorstellte. Zwar unterlag die Steuerung von Synthesizern schon zu dieser Zeit in der Gestalt einer Korrelation zwischen Spannungshöhe und Tonhöhe (eine Spannungsänderung von beispielsweise einem Volt zog eine Änderung der Tonhöhe um eine Oktave nach sich) einem gewissen Standard, aber es gab auch wenigstens einen anderen Standard, in dem etwa die Tonhöhe linear der Spannung folgte. Das Konzept von USI wurde von Sequential Circuits sowie den japanischen Firmen Roland, Yamaha, Korg und Kawai weiterentwickelt und 1982 als MIDI eingeführt. Die ersten mit MIDI-Buchsen versehenen Synthesizer waren der Prophet 600 und der Roland Jupiter 6.
MIDI hat sich im Bereich der Musikinstrumente als die wichtigste Neuerung der 1980er- Jahre herausgestellt. Zwar stößt der MIDI-Standard etwa seit Anfang der 1990er-Jahre an seine Grenzen, schon aus Gründen der Kompatibilität wird er sich aber – möglicherweise in veränderter Form – halten können. Die Produktion von Musik wurde durch MIDI revolutioniert; der gesamte Bereich des Home Recording wurde durch diesen Standard erst wirklich erschlossen.



Literatur

Doepfer, Dieter/Assall, Christian/Marass, Matthias/Langer, Robert: MIDI in Theorie und Praxis – Die MIDI-Schnittstelle mit praktischen Schaltungen im Selbstbau; Aachen 1990
Timmermanns, Hans: MIDI, Musik und Computer – Theorie und Praxis; Aachen 1990