Orange Music Electronic Company

Orange Music Electronic Company, britischer Hersteller von Verstärkern für elektrische Gitarren und Bässe sowie Lautsprecher-Boxen, 1968 von Clifford Cooper in London gegründet; entsprechend des Namens spielt die Farbe orange im äußeren Design der Verstärker und Boxen eine prominente Rolle.

Cooper, der sich als Musiker auch mit der einschlägigen elektronischen Gerätschaft beschäftigte, eröffnete 1968 unter dem Namen Orange ein Geschäft für Musikelektronik, in dem er zunächst vor allem gebrauchte Verstärker und Instrumente verkaufte. Da die älteren Geräte wider Erwarten mehr Zuspruch fanden, als Gebrauchtware herangeschafft werden konnte, entschloss sich Cooper, eigene Verstärker nach den antiken Vorgaben zu entwerfen. In der in Huddersfield ansässigen Firma Radio Craft fand er auch eine Firma, der die Verstärker bauen konnte. Radio Craft wurde von Matthew Mathias betrieben, der in seinem Betrieb auch Verstärker unter dem Namen Matamp baute, die zunächst nichts mit den Orange-Verstärkern zu tun hatten. Bald aber erhielten Orange Verstärker ein kleines Schild mit dem Namen Matamp; Cooper sah es als einen Akt der Höflichkeit an, den Namen seines Hersteller auf den Verstärkern zu nennen.
Die Orange-Verstärker waren bald so gefragt, dass nahe Huddersfield neue Produktionsstätten bezogen wurden. Dennoch konnte Mathias die Geräte nicht so schnell bauen, wie Cooper sie verkaufen konnte und so trennte sich Cooper 1970 von Mathias. Dennoch benötigte er noch einige Zeit, die Nachfrage befriedigen zu können, zumal er die Geräte durch eine neues, ausschließlich auf Symbolen beruhendes Design der nun weißen Frontplatte optisch aufgewertet und noch attraktiver gemacht hatte.
Technisch unterschieden sich die Verstärker nicht von anderen, ihr Schaltungsaufbau war konventionell und von diversen anderen Firmen, etwa auch von Marshall, längst erprobt. So waren die ersten Verstärker der jungen Firma Röhrenverstärker mit einer Leistung von 100 Watt, seinerzeit das Maß aller Dinge im Bau von Gitarrenverstärkern. Äußerlich spiegelten Coopers Verstärker und Boxen mit ihrem orangefarbenen Kunstleder-Bezügen und der von John James entworfenen weißen, später mit einem Wappen geschmückten Frontplatten die Pop-Ästhetik der Zeit wider. Mathias hatte darauf bestanden, dass die Konstruktion der Holzgehäuse von Verstärkern und Boxen dem rauen Konzertbetrieb gewachsen waren und so wirken die Orange-Geräte allemal wuchtiger und robuster als die der Konkurrenz.
Bis Mitte der 1970er-Jahre wuchs die Produktpalette von Coopers nunmehr Orange Music Electronic Company genannten Firma kontinuierlich, es gab Verstärkerköpfe, Lautsprecherboxen und Kofferverstärker. In diese Zeit fiel auch die Entwicklung der ersten mit Halbleitern und integrierten Schaltungen bestückten Verstärker. Cooper hatte in Peter Hamilton eine fähigen Elektronikingenieur gefunden, der für Orange den digital programmierbaren Verstärker entwarf – der Gitarrist konnte mit dem Gerät verschiedenen Klangeinstellungen speichern und jederzeit abrufen. Bis Ende der 1970er-Jahre baute Cooper auch neben der Linie der Instrumentalverstärker eine zweite für die Produktion von P.A.-Gerätschaften auf. Dennoch geriet Orange Ende des Jahrzehnts in wirtschaftliche Schwierigkeiten, die Verstärker wurden weniger nachgefragt, bis Cooper sich entschloss, nur noch auf direkte Nachfrage Verstärker zu bauen. In den 1980er-Jahren gerieten Orange-Verstärker in Vergessenheit.
1993 erwarb die amerikanische Gitarrenbau-Firma Gibson die Lizenz, den Namen Orange nutzen zu dürfen. In schneller Folge wurden einige an frühere Geräte angelehnte Gitarren- und Bass-Verstärker auf den Markt gebracht. Das Interesse der Musiker bleib schwach und so gab Gibson schon 1997 die Lizenz an Cooper zurück. Dieser wagte einen Neuanfang, entwarf mit Adrian Emsley eine neue Reihe von Verstärkern und Combos, und es gelang ihm, Gitarristen wie Jimmy Page und Jeremy Spncer, vormals bei Fleetwood Mac, zu überreden, seine neuen Verstärker auch zu benutzen. 1999 erhielt Orange für den kleinen AD15-Verstärker einen Preis des Gitarren-Magazins »Guitar Player«. Diese Auszeichnung lenkte das Interesse vieler Musiker nicht nur auf den AD15, sondern auf Orange überhaupt. Seit der Jahrtausendwende erholte sich Coopers Firma, so dass sie 2009 neue Produktionsstätten beziehen konnte. Längst ist aus dem Verstärkerbauer ein Unternehmen mit einer breiten Produktpalette geworden, ein Musiker-Managment gehröt ebenso dazu wie ein Platten-Label, ein Verlag und eine Konzertagentur.
Im Laufe der Jahrzehnte hat Orange eine Vielzahl von Verstärker-Modellen auf den Markt gebracht, so den OR120, den OR 100, den OR50, den Killerwatt Slave, eine Endstufe mit einem Kilowatt Ausgangsleistung, den GRO100 und den GRO50, den Omec Digital Programmable Amplifier, den Jimmy Bean, die Hustler-Combos, den AD15 und schließlich den kleinen Verstärker Tiny Terror, der trotz seiner gering erscheinenden Ausgangsleistung von nur 15 Watt seinem Namen alle Ehre macht.


Literatur

Cooper, Clifford: The Book of Orange; London 2011