Public Adress System

Public Adress System, abgekürzt PA-System oder nur PA, bei Großveranstaltungen wie Konzerten und Festivals eingesetzte Verstärkeranlage; in Deutschland, wo die Abkürzung PA gelegentlich auch als Power Amplification übersetzt wird, wird der Begriff meist nur für die fliegenden Aufbauten für Konzerte angewendet, während zumal in angloamerikanischen Sprachgebiete jede Art von Verstärkeranlagen verwendet wird, die zur Beschallung großer Mengen von Zuhörer gedacht sind; hier wird die Bezeichnung zunehmend von dem Begriff Sound Reinforcement System verdrängt.

Prinzipiell ist eine PA stets gleich aufgebaut: Es gibt ein Mischpult, einen oder mehrere stereofonausgelegte Endstufen und eine Lautsprecher-Zusammenstellung, die in aller Regel aus einem Mehrwegesystem besteht. Kleine Systeme zur Verwendung in Räumen bis etwa 1000 Personen sind exakt nach diesem Schema konzipiert, umfassen also ein Mischpult mit bis zu 20 Kanälen, eine oder mehrere Endverstärker und zwei Zwei- oder Dreiwege-Lautsprecher, die oft um ein Subbass-System ergänzt werden. Zur Peripherie derartiger Anlagen gehören etwa ein Graphic Equalizer und ein Hallgerät, manchmal auch ein Frequenz-Analyzer. Die Kabel der auf der Bühne stehenden Mikrofone werden in einer Stagebox zusammengefasst, ein Multicore-Kabel führt zum meist im hinteren Teile des Saales aufgebauten Mischpult. Für etwa im Konzert benötigte Keyboards benutzen die meisten Keyboard-Spieler ein eigenes Mischpult und senden die Summe an das Hauptmischpult. Bei derartigen Anlagen werden meist passive Lautsprecher-Boxen verwendet, das heißt, dass in die Boxen passive Frequenzweiche eingebaut sind, die die vom Verstärker kommende Tonspannung auf die entsprechenden Lautsprecher-Chassis verteilt. Noch bis in die 1980er-Jahre wurden die Lautsprecher für die einzelnen Frequenzbereiche – Bass, Mitte, Höhen – in jeweils separate Gehäuse eingebaut, so die Basslautsprecher in Bass Bins oder Horn-Systeme. Gegen Ende der 1970er-Jahre kamen zunächst aktive Frequenzweichen auf, die den Endverstärkern nicht nach-, sondern vorgeschaltet waren, es wurden also je Frequenzbereich ein Endverstärker benötigt. Diese System wurden bald von modularen Fullrange-Systemen abgelöst: Dabei werden Dreiwegeboxen verwendet, in die ein passender Endverstärker eingebaut ist. Die Leistung dieser so genannten aktiven Boxen erreicht zwar für sich genommen nicht die von großen diskret organisierten Lautsprechersysteme, kann aber je nach Erfordernissen – also etwa der Größe des Saales – durch Kombination einer mehr oder weniger großen Anzahl von derartigen aktiven Dreiwegeboxen beliebig vervielfacht werden. Die Handlichkeit dieser Boxen führte in den 1980er-Jahrenauch dazu, dass diese Lautsprecherboxen oft »geflogen«, also an Ketten oder Gurten im Saal aufgehängt wurden. Bei den in PAs eingesetzten Endverstärkern handelt es sich in aller Regel um zweikanalige Verstärker mit Leistungen von 100 bis über 1000 Watt je Kanal. Diese Endstufen sind extrem betriebssicher, verfügen also über diverse Schutzschaltungen, etwa gegen abrupte Trennung von den Lautsprechern, Spannungsspitzen, zu hohe Eingangspegel, zu hohe Betriebstemperatur und weitere mehr. Viele diese zweikanaligen Endstufen erlauben, es die beiden Endstufen zu »brücken«, also in den Mono-Betrieb zu schalten; Resultat dieser Maßnahme ist eine erhebliche Leistungssteigerung. Bei so genannten Power Mixern sind die Endstufen schon in das Gehäuse des Mischpultes eingebaut, doch werden diese Anlagen vornehmlich bei kleineren Veranstaltungen und von Bands mit begrenztem Budget eingesetzt. Ansonsten werden Mischpulte eingesetzt, die den im Studio-Bereich üblichen Geräten weitgehend gleichen, bei denen die Kanäle aber oft in besonders flexibler Weise zu Gruppen und Untergruppen zusammengefasst werden können. Bei sehr großen Veranstaltungen, etwa in Sälen, die mehrere 1000 Personen fassen, oder bei Freiluft-Veranstaltungen, wird oft seitlich der Bühnen ein weiteres, kleineres Mischpult aufgebaut, bei dem schon einige Mikrofon-Spannungen zusammengefasst werden, etwa die der Mikrofone vom Schlagzeug; oft wird hier auch die Mischung für die Monitore vorgenommen. Monitore sind zwar nicht immer Bestandteil des Bühnenaufbaus einer PA, ab einer bestimmten Größe aber unerlässlich, damit sich die Musiker auf der Bühne überhaupt selbst hören können. Anders als im Studio werden auf der Bühne weniger Kondensatormikrofone, schon gar nicht Großmembran-Mikrofone eingesetzt, stattdessen die robusteren dynamischen Mikrofone.
Spätestens seit den 1990er-Jahrne hielt die Computer-Technik Einzug in die Technik der PA-Systeme. Computer dienen beispielsweise dazu, Mischeinstellungen zu speichern und wenn erforderlich abzurufen, sie überwachen die Betriebsbedingungen der Endverstärker und der Lautsprecher (Lautsprecher-Management), schließlich können sie auch für Mitschnitte des Konzerts genutzt werden. Da PAs wegen des in den letzten Jahrzehnten gestiegenen Anspruchs des Publikums an die Wiedergabequalität unter häufig schwierigen und mitunter auch widersprüchlichen Gegebenheiten eingesetzt werden, sind Computer-Steuerungen mittlerweile unerlässlich.
Die PA-Anlagen, wie sie seit den 1960er-Jahren benutzt werden, hatten viele Vorfahren. Zum einen waren das die Horn-Lautprecher der großen Kinos, dann die Mischverstärker der ELA-Anlagen in Stadien, Sälen und Kirchen wie die Gesangsanlagen der Tanzkapellen. Beschleunigend auf die Entwicklung von Verstärkeranlagen, die den besonderen Bedingungen von Rock- und Popkonzerten Rechnung trugen, waren die Open-Air-Festivals der späten 1960er-Jahre, bei denen Studio-Mischpulte, eine Vielzahl von Endstufen und diverse verschiedene Lautsprechergehäuse verwendet wurden. In Anlehnung an diese Anlagen bauten viele Bands ihre PA-Systeme selbst oder ließen es für ihre Erfordernisse bauen. Am bekanntesten wurde sicherlich die »Wall of Sound«, die der Toningenieur Owsley Stanley für seinen Arbeitgeber, die amerikanische Band Grateful Dead 1973 gebaut hatte, eine imposante Anlage mit einer immensen Anzahl von Lautsprecher-Boxen: Alptraum aller Roadies.

 

Literatur

Bacon, Tony (Hrsg.): Rock hardware – The Instruments, Equipment and Technology of Rock; Poole, Dorset 1981
Pieper, Frank: Das P.A. Handbuch – Praktische Einführung in die professionelle Beschallungstechnik; München 2005
Ebner, Michael: Handbuch der PA-Technik; Aachen 2009