Abmischung

Abmischung, englisch: Mix Down, ein seit Mitte der 1960er-Jahre gängiges Verfahren, die zuvor getrennt aufgenommenen Tonbandspuren einer Mehrspuraufnahme zu einem stereophonen Mastertape zusammenzufassen; in jüngerer Zeit wurden auch 5.1-Abmischungen üblich.

Eine Abmischung ist möglich und erforderlich, wenn von einer Aufnahme ein Mehrspurband vorhanden ist. Seit der Verfügbarkeit von Mehrkanal-Tonbandmaschinen werden Aufnahmen beinahe ausschließlich im Mehrspurverfahren vorgenommen. Als Grundlage dient ein Klicktrack, der den Musikern für die genaue Einhaltung des Tempos dient. Zunächst wird das Schlagzeug eingespielt – dafür werden meistens schon mehrere Spuren benötigt –, danach der Bass. Alle anderen Instrumente folgen, zuletzt der Gesang. Dieses Verfahren hat sich als Standardverfahren etabliert, doch wird es mitunter durchbrochen, indem etwa die Aufnahmereihenfolge verändert wird. Häufig werden auch Varianten bestimmter Parts aufgenommen.
Alle Spuren werden voll ausgesteuert, Effekte weggelassen, sofern sie nicht unerlässlich für einen bestimmten Klang etwa der Gitarre benötigt werden, auch gibt es keine räumliche Information. In der Abmischung, in der Regel maßgeblich vom Produzenten vorgenommen, wird aus diesem Rohmaterial ein Musikstück geformt, das dann auf Schallplatte oder CD veröffentlicht werden kann. Dazu werden die einzelnen Instrumente in einem fiktiven Raum verteilt, es kommen Effekte wie Hall dazu, die Lautstärkeverhältnisse werden nach Prioritäten einander angeglichen. In dieser Phase können noch weitere Einzelaufnahmen erfolgen. Während der Abmischung werden die Aufnahmen auch den beiden Stereokanälen zugeordnet. Ergebnis der Abmischung ist das so genannte Mastertape, das der Produktion des Tonträgers als Grundlage dient. Erst im Mastertape manifestiert sich der künstlerische Wille von Musikern und Produzent.
Waren bis Mitte der 1960er-Jahre lediglich Aufnahmegeräte mit drei oder vier Aufnahmespuren verfügbar, so konnte die Zahl der Spuren im Laufe der zweiten Hälfte der 1960er-Jahre schnell gesteigert werden, bis 16-Kanal-Bandmaschinen zur Verfügung standen. Später gab es auch Maschinen mit 24 Aufnahmekanälen, und es bestand zudem die Möglichkeit, zwei oder mehr Bandmaschinen zu koppeln. Für die Synchronisation der Bandmaschinen wurde jeweils eine Spur jedes Gerätes reserviert und mit einem Time Code versehen.
Die im Laufe der 1980er-Jahre aufkommende Digitaltechnik machte innerhalb weniger Jahre diese herkömmliche analoge Mehrspurtechnik überflüssig. Mit bestimmten Audio-Programmen wie etwa Protool, Cubase und weiteren mehr steht praktisch eine unbegrenzte Anzahl von Aufnahmespuren zur Verfügung, so dass die Abmischung inzwischen ein Prozess ist, in dem sich der Produzent einem von vielen möglichen Endergebnissen iterativ annähert. So ist es auch üblich, von einem Stück mehrere Abmischungen herzustellen. Das Remixing stellt praktisch ein permanentes Abmischen dar, in dem das einzelne Mastertape eben nur eine Möglichkeit von vielen darstellt und deshalb nicht mehr die Bedeutung hat wie sie das Mastertape bis in die 1980er-Jahre hinein als Unikat hatte. Remixes unterscheiden sich mitunter erheblich von der ursprünglichen Aufnahme.
Es war indes schon in den 1960er-Jahren üblich, verschiedene Abmischungen eines Musikstückes herzustellen. Der Grund lag meist in der Tatsache, dass die LP-Fassung eines Songs oft eine größere zeitliche Ausdehnung hatte als eine parallel veröffentlichte Single. So gibt es beispielsweise den Song »Let It Be« (1969) von den Beatles in einer Single-Fassung und in der LP-Fassung; die Fassungen unterscheiden sich geringfügig, etwa im Gitarrensolo, voneinander.



Diskografie

The Beatles: Let It Be (1969)
Steven Wilson: Insurgentes (2009)
Steven Wilson: NRSGNTS?RMXS (2009)



Literatur

Halbscheffel, Bernward: Zur Ontologie der Rockmusik, in: International Review of The Aesthetics and Sociology of Music; 1983, S. 99ff.