Mischpult

Mischpult, System von Verstärkern und Filtern, das dem Zusammenfassen, Mischen und Verteilen von Tonspannungen verschiedener Herkunft dient; die Filter sind für die Entzerrung von Frequenzgängen angeschlossener Tonerzeuger bestimmt, können aber auch für die absichtliche Manipulation von Klängen verwendet werden.
Zwar gibt es für verschiedene Anwendungszwecke verschiedene Mischpult-Bauformen – so erfordert der Konzertbetrieb andere Mischpulte als das Studio – doch sind sie im Prinzip einander gleich. Auch wenn die Geräte in ein Flightcase oder in einen Tisch eingebaut sind, sind es im Prinzip nur wenige einzelne Baugruppen, die zu einem kompletten Mischpult zusammengestellt werden. Für große Aufnahmestudios ist es üblich, Mischpulte eigens anfertigen zu lassen. Waren Mischpulte bis weit in die 1980er-Jahre ausschließlich elektronische Geräte – also Hardware -, so sind seitdem Mischpulte integraler Bestandteil von Sequencer- und DAW-Software.

Ein Mischpult stellt jeder Tonspannungsquelle – das können Mikrophone, Pickups von Gitarren, Bassgitarren und Orgeln sowie Synthesizer sein – einen eigenen Verstärkerkanal zur Verfügung; Geräte mit einem stereophonen Ausgange wie etwa Synthesizer benötigen zwei Kanäle. Über die Eingangsbuchse wird Kondensatormikrofonen, die eine Phantomspannung benötigen, diese zur Verfügung gestellt. Der Eingangsverstärker ermöglicht zunächst die Einstellung (Gain) der notwendigen Verstärkung – um alle Eingangssignale auf ein möglichst gleiches Spannungsniveau zu heben -, weiterhin eine Entzerrung durch mehrere Klangregler und einen oder mehrere Regler für Effekte. Mischpulte sind fest mit Effektgeräten verbunden; möchte man beispielsweise einen Klang mit Hall versehen, so genügt es, am Eingangsverstärker den Regler zu öffnen, bis der Klang den gewünschten Hallanteil aufweist. Der endgültige Lautstärkeregler des Eingangsverstärkers ist in der Regel ein Schiebepotentiometer, mit dem eine sehr genaue Regelung der Lautstärke möglich ist. Bei Tonaufnahmen wird ein Panorama-Potentiometer, kurz Pan-Pot, das zu jedem Eingangskanal gehört, zunächst nicht benötigt. Das vorverstärkte Signal gelangt zu einem weiteren Verstärker, der die Rolle eines Unterverteilers übernimmt: mehrere Eingangskanäle werden in einem Bus zu einer so genannten Subgruppe zusammengefasst. So kann es z. B. sinnvoll sein, sämtliche Mikrofone des Schlagzeugs mit Hilfe der Eingangsverstärker zu mischen und zu einer Subgruppe zusammenzufassen. Große Mischpulte haben ausgeklügelte Möglichkeiten, verschiedene Subgruppen zu bilden. Für eine Abmischung sind derartige Möglichkeiten unabdingbar.
Die zwischenverstärkten Signale werden schließlich in einem Summenverstärker zusammengefasst und können nun als Ganzes mit verschiedenen Effekten versehen werden. Der Weg, den das Tonspannungs-Signal nimmt, kann somit in jeder Hinsicht eingestellt werden, ein Vorgang, der mit Routing bezeichnet wird. Das gemischte Signal kann dann auf Band aufgezeichnet oder an Endverstärker übergeben werden. Neben dieser grundsätzlichen Ausstattung können Mischpulte diverse Hilfseinrichtungen enthalten, zum Beispiel ein Mikrofon, das der Kommunikation des Tontechnikers oder Produzenten mit den Musikern im Aufnahmeraum dient. Seit den 1970er-Jahren sind umfangreiche Speichermöglichkeiten üblich geworden, um beliebige Mischungen auf Abruf wieder herstellen zu können; für die Abmischung sind derartige Pulte
(Solid State Logic – SSL) eine kaum zu überschätzende Hilfe. Da die Zahl der Aufnahmespuren bei modernen Magnettongeräten seit den 1960er-Jahren kontinuierlich stieg, wuchs auch die Zahl der Kanäle des Mischpultes; ein SSL-Pult beispielsweise kann 64 Kanäle beinhalten. Häufig sind derartige Pulte in der Lage, nicht nur analoge, sondern auch digitale Signale zu verarbeiten. Werden dabei digitale Klangerzeuger verwendet, ist es möglich, bis zur Bandaufnahme einschließlich auf der digitalen Ebene der Signalverarbeitung zu bleiben. Bei digitalen Aufnahmen können besondere, mit auffallend wenigen Reglern versehene Mischpult verwendet werden. Tatsächlich handelt es sich bei diesen Mischpulte um besondere Bauformen hoch entwickelter Computer, die sämtliche Einstellungen mit Hilfe der Software ermöglichen; derartige Mischpulte gibt es auch für die Steuerung von DAW-Software, die auf separaten Computern installiert ist. Auch die Regler und Schalter von MIDI-Controllern können im Zusammenhang mit DAW-Software mit den Funktionen eines Mischpultes belegt werden.
Mischpulte sind nicht nur für die Aufnahme und das Abmischen unentbehrliche Werkzeuge, sie sind auch quasi das »Musikinstrument« des Produzenten. Die unübersehbare Zahl der Möglichkeiten, ein Mehrspurband abzumischen, erfordert vom Produzenten vor allem die Phantasie, sich vorstellen zu können, wie die »fertige« Musik klingen soll. Die Schwierigkeit des Abmischens besteht darin, diese Vorstellung mit Hilfe des Mischpultes und weiterer Geräte zu verwirklichen; es ist daher keine Frage, dass ein Produzent die Möglichkeiten eines Mischpultes kennen muss.
Mischpulte sind auch Bestandteil so genannter Powermixer: Dabei handelt es sich aus einem Mischpult und einem kräftigen Stereo-Endverstärker kombinierte Geräte, die bei Live-Konzerten eingesetzt werden. Auch enthalten diese Geräte gängige Effektgeräte, etwa ein Hallgerät.



Literatur

Bacon, Tony: Rock Hardware – The Instruments, Equipment and Technology of Tock; Poole 1981
Görne, Thomas: Tontechnik; München 32011