Vocoder

Vocoder, ursprünglich aus der Militärtechnik stammendes Sprach-Manipulationsgerät, das dem Zweck dienen sollte, bestimmte Anteile des menschlichen Stimmeklangs synthetisch zu ersetzen; auf diese Weise sollte einerseits eine geringere Bandbreite bereitgehalten, andererseits mehrere Telefongespräche gleichzeitig über das Telefonkabel geleitet werden können.

Ein erstes Gerät wurde 1936 von Homer Dudley in den Bell Laboratories in den USA konstruiert. 1960 stellte Ernst Rothauser eine wissenschaftliche Arbeit über den Vocoder fertig, die als Grundlage für den industriellen Serienbau der Geräte diente. Für musikalische Zwecke wurde das Gerät dann Mitte der 1970er-Jahre entdeckt und, für diesen Zweck angepasst, angeboten.
Die Funktion des Gerätes liegt darin, dass aus einem zu bestimmenden Frequenzabschnitt der Stimme mit Hilfe eines Kammfilters bestimmte Anteile herausgefiltert werden. Die fehlenden Anteile werden mit anderen Schallquellen ersetzt, so dass eine Mischung der beiden Ursprungssignale das Resultat ist – ein Klavier oder Meeresrauschen scheinen artikuliert zu sprechen. Auch kann ein gesprochener Satz in Gesang umgewandelt werden. In der Rockmusik wurden beinahe ausschließlich Synthesizer als zweite Schallquelle verwendet. Möglicherweise ist hierin die Ursache zu sehen, dass der Vocoder zunächst ein exotisches Effektgerät blieb und bald in Vergessenheit geriet, zumal Rockmusiker dem Gerät nichts anderes als Roboter- oder Science-Fiction-Stimmen abverlangten. Zu den Musikern, die den Vocoder am frühesten benutzten, gehören Stevie Wonder sowie die Gruppen The Electric Light Orchestra und Kraftwerk. Auf dem Innencover der LP »Sunlight« (1978) von Herbie Hancock ist das Gerät (Sennheiser VSM 201) abgebildet.
In den späten 1990er-Jahren fand das Gerät wieder mehr Beachtung bei Pop-Musikern, wenn auch nicht alle Stücke, die auf die Verwendung eines Vocoders hindeuteten, tatsächlich mithilfe des Effektgerätes zustandegekommen waren. Aus bestimmten Arten elektronischer Musik ist der Vocoder nicht wegzudenken. Gegen Ende des ersten Jahrzehnts des neuen Jahrhudnerts stellte die Industrie auch wieder Instrumente her, die neben einer Synthesizer- und Sample-Sektion auch einen Vocoder beinhalten; Geräte wie der Roland VP-770 ermöglichen frappierend realistische Vokalklänge aus gesprochener Sprache zu erzeugen.



Diskografie

Herbie Hancock: Sunlight (1978)
Phil Collins: Face Value (1981)
Brand X: Do They Hurt? (1980)