Vox Amplification

Vox Amplification, britischer Hersteller von Musikelektronik und Musikinstrumenten, 1950 von Thomas Walter Jennings (* 1917) unter dem Namen Jennings Musical Instruments Ltd. in London gegründet; seit 1992 ist Vox eine Marke der japanischen Firma Korg.

Jennings hatte als Kind Akkordeon spielen gelernt und hatte während des Zweiten Weltkriegs gemeinsam mit dem Gitarristen Dick Denney ein Duo gebildet. Denney, der bereits eine elektrische Gitarre spielte, weckte Jennings Interesse an elektrischen Instrumenten. Aus dem Militärdienst entlassen, eröffnete Jennings zunächst ein kleines Geschäft für gebrauchte Musikinstrumente, baute dieses aber 1946 weiter aus und importierte Musikinstrumente aller Art. 1950 hatte sein Unternehmen eine Größe erreicht, dass er einerseits das »London Accordion Centre« eröffnen, andererseits eigene Produkte vorstellen konnte, so 1951 einen kleinen Verstärker für elektrische Gitarren, der den Namen Univox erhielt. Sein Mitarbeiter Derek Underdown konstruierte 1952 eine elektronische Orgel, die der Clavioline – ein elektronisches Tasteninstrument, das für die Imitation orchestraler Klänge gedacht war – nachempfunden war. Der Name Vox wurde erstmals 1954 für ein Pedal zur Lautstärkeregelung verwendet, dann für eine Serie neuer Gitarrenverstärker, die Underdown 1956 für seinen Arbeitgeber konstruiert hatte. Der Verkaufserfolg dieser Geräte hielt sich allerdings in engen Grenzen, gegen die übermächtige amerikanische Konkurrenz hatten die Verstärker keine Chance.
So kam es Jennings ganz gelegen, dass sein alter Freund Denney sich in den Jahren nach dem Krieg mit dem Bau von Verstärkern auseinandergesetzt hatte. Denney verwendete für seinen 15 Watt leistenden Verstärker nicht Röhren aus amerikanischer, sondern aus europäischer Produktion. Die zwei Endstufenröhren vom Typ EL 84 sorgten für den individuellen Klang der mit einem Goodman-Lautsprecher versehenen Kofferverstärker, die unter dem Namen Vox AC1/15 verkauft wurden, und bald wurde mit dem G1/10, später Vox AC 10 genannt, ein zweiter Verstärker vorgestellt. Für diese Geräte begannen sich die britischen Musiker zu interessieren. 1959 kauften die Gitarristen von Cliff Richards Begleitband The Shadows, Hank Marvin und Bruce Welch, AC 15-Verstärker und kreierten mit amerikanischen Fender-Gitarren und britischen Vox-Verstärkern einen speziellen Klang.
Im selben Jahr präsentierte Jennings den Vox AC 30, ein mit zwei EL-34-Endstufenröhren und einem Lautsprecher ausgestatteter Verstärker von 30 Watt Leistung. 1960 war das Jahr, in dem die Vox-Verstärker ihr endgültiges Gesicht erhielten, mit dem sie in die Geschichte der Rockmusik eingingen: Kofferverstärker mit einem oder zwei Lautsprechern – der AC30/4 Twin kam ebenfalls in diesem Jahr auf den Markt –, in der Endstufe entweder zwei EL 34 oder vier EL 84, bezogen mit hellbraunem (fawn) Kunstleder und mit einer deutlichen Zweiteilung der Front; der schwarze Bezug wurde 1963 eingeführt.
Ebenfalls 1960 nahm Jennings die ersten Solidbody-Gitarren in das Programm seiner Firma, doch schien ihm ihr Aussehen zu unauffällig. So wurde der Korpus der Gitarre abweichend von bekannten Formen in eine asymmetrische Trapezform gebracht und die Gitarre erhielt den Namen The Phantom; nicht zuletzt, weil wenige Jahre später Brian Jones, Gitarrist der Rolling Stones, eine Phantom spielte, ging das Instrument in die Historie der britischen Rock- und Popmusik ein. Vox war aber auch auf anderen Gebieten aktiv:1962 wurde der erste mit Transistoren aufgebauter Verstärker für elektrische Bassgitarren vorgestellt, im selben Jahr auch die Continental, eine einmanualige Orgel, der bald die zweimanualige Continental II und die Jaguar folgten.
1962 hatten auch John Lennon und George Harrison ihre ersten Vox-Verstärker gekauft, einen AC 15 und einen AC 30. Ein Jahr später gelang es Vox, die Beatles per Vertrag auf die ausschließliche Verwendung von Vox-Verstärkern bei Konzertauftritten festzulegen. Zunächst erhielten sie zwei der neuen, nun mit schwarzem Kunstleder bezogenen AC 30. Der Werbeeffekt war enorm, zumal die Beatles in den folgenden Jahren stets mit den neuesten Geräten ausgestattet wurden, und Vox prosperierte. 1963 hatte die Firma nicht weniger als 17 Gitarremodelle im Programm. Eine zweite Reihe von Gitarren wurde Phantom II genannt. Die Form der Gitarren wich wiederum vom Gewohnten und erhielt unter Musikern bald den Beinamen Teardrop. Jenning plante das weitere Wachstum seiner Firma und schloss mit einer Gruppe von Finanziers, der Royston Group, einen Vertrag. Für Jennings hatte diese Vereinbarung wenige Jahre später fatale Folgen, denn er wurde 1967 aus der dem von ihm gegründeten Unternehmen herauskomplimentiert.
Vorerst allerdings wuchs die Firma und hatte nun auch auf dem amerikanischen Markt erheblichen Erfolg. Die Verstärker immer wieder überarbeitet und den Wünschen der Musiker angepasst – allemal wurde die Leistung erhöht –, 1964 wurden Echo-Geräte und Mikrofone im Programm der Firma genommen und 1965 wurde auf Anregung von Billy Wyman, Bassist der Rolling Stones, ein Teardrop-Bass gebaut. Um die Nachfrage nach Gitarren befriedigen zu könne, wurde die Produktion der Gitarren teilweise nach Italien verlagert, EKO baute nun Vox-Gitarren. Underdown und Denney werkelten an einer Gitarre, die Gitarristen die Klangwelt elektronischer Orgeln erschließen sollte und daher Vox Guitar Organ genannt wurde.
Jennings wurde die Führung seiner Firma allmählich aus der Hand genommen. Die Produktion der Instrumente und Geräte zunehmend ins Ausland verlagert, andere Firmen mischten sich ein, so dass bald aus dem alten Programm nur noch der AC 30 Twin und der AC 50 gebaut wurden – alle anderen Verstärker waren nun kostengünstig herzustellende Transistorverstärker. Die letzte in Großbritannien entworfene Gitarre, The Maurauder genannt, wurde 1967 vorgestellt, doch war diese eigenwillig geformte Gitarre nicht das geeignete Instrument, den Niedergang der Firma aufzuhalten. Jennings wurde aus dem Unternehmen gedrängt, Denney und Underdown gingen mit ihm. Bis 1969 war die Firma, die nunmehr den Namen Vox Sound Equipment, Ltd. so weit heruntergewirtschaftet, dass sie zum Verkauf stand. Die neuen Eigner, Banken und Einzelpersonen, strichen das Programm zusammen und suchten nach Möglichkeiten, die Verstärker kostengünstiger herzustellen. 1970 kaufte die amerikanische CBS nach der Übernahme von Fender auch Vox. Geblieben sind von dieser Zeit die Neuauflage der Orgeln und eine transistorisierte Ausgabe des AC 30. 1978 sah man in Vox nur noch einen Konkurrenten im eigenen Haus – gerichtet gegen Fender – und verkaufte die Firma an Rose Morris, amerikanischer Großhändler der Marshall-Verstärker. Morris strukturierte das Programm um und ließ auch wieder Gitarren bauen und mit dem Namen Vox versehen. Inzwischen hatte das Renommee des Namens Vox aber schon erheblich gelitten, zumal der AC 30 nur noch ein Schatten seiner Vorgänger war – man hatte Halbleiter für die Gleichrichtung der Anodenspannung eingebaut und die gesamte Elektronik auf einer Platine versammelt, die mehr oder weniger automatisch bestückt werden konnte. Gitarristen hatten zu dieser Zeit längst Alternativen gesucht und gefunden.
1992 verkaufte Rose Morris Vox an die japanische Firma Korg. Korg verfolgt seitdem eine zweigleisige Strategie: Auf der einen Seite wurden einige der alten Geräte, allen voran der AC 30, wieder nahezu in der ursprünglichen Form gebaut: sogar die britische Lautsprecher-Firma Celestion konnte man bewegen, die früher für den AC 30 verwendeten Lautsprecher wieder aufzulegen. Auch das legendäre Vox Wahwah-Pedal wurde wieder ins Programm genommen. 2004 brachte Vox sogar eine per Hand verdrahtete Ausgabe des AC 30 auf den Markt. Daneben baut Vox nunmehr auch Verstärker unter Verwendung der Modeling-Technik; sie werden in verschiedenen Ausführungen unter dem Namen Valvetronix verkauft. Häufig kombiniert Vox historische Röhrentechnik mit modernster Halbleitertechnik. Erfolgreich ist Vox auch mit Effektboards und einer neuen Serie von elektrischen Gitarren. Seit Ende der 190er-Jahre gelang es der Firma auch wieder, Musiker etablierter und populärer Bands für ihre Geräte zu interessieren. So verwenden etwa Musiker von Slipknot, Fall Out Boy, Coheed and Cambria und Simple Plan Verstärker von Vox. Einer der Musiker, die stets unbeirrt Verstärker von Vox benutzten und benutzen, ist Brian May, Gitarrist der Gruppe Queen: Bei Live-Auftritten steht hinter ihm eine Wand aus vielen schwarz bezogenen AC-30-Verstärkern, in der Mitte einer der seltenen mit weißem Bezug.



Literatur

Petersen, David/Denney, Dick: The Vox Story: A Complete History of hte Legend; London 1993
Pittman, Aspen: The Tube Amp Book; San Francisco 62003
Babiuk, Andy: Der Beatles-Sound – Die Fab Four und ihre Instrumente – auf der Bühne und im Studio; Bergkirchen 2001



Weblink

http://www.voxamps.com/ (Website des britischen Herstellers von Musik-Equipment Vox)